Zu dieser seltsamen Organisation, die sich hochtrabend als “Alternative für Deutschland” (AfD) bezeichnet, wurde ja schon so Einiges gesagt. Aber Vieles leider zu abstrakt oder zu schwammig. Außerdem nerven diese Typen zur Zeit überall im Netz rum, schreiben Müll in Kommentarspalten und versuchen, ihren kruden Krempel irgendwie zu verkaufen. Daher noch ein paar Anmerkungen meinerseits.

Die AfD gehört zum rechten Spektrum
Es ist gar nicht nötig, auf entsprechende Ausfälle einzelner Mitglieder oder Sympathisanten zurückzugreifen. Es reicht schon, das Wahlprogramm aufmerksam zu lesen. Hier geht es vor allem darum, wieder zurück zum starken Nationalstaat zu kommen. An erster Stelle steht ein “Europa souveräner Staaten”, natürlich mit eigenen Währungen. “Gesetzgebungskompetenzen zurück zu den nationalen Parlamenten” wird verlangt, mehr “mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung” zwischen den europäischen Ländern.

Das ist letztlich ein knallharter nationalistischer Kurs, der zwischen einigen beschwichtigenden Formulierungen versteckt wird, um nicht gleich unangenehm aufzufallen. Es kann lediglich ein Lippenbekenntnis sein, wenn man trotzdem von einem europäischen Binnenmarkt spricht. Wie soll das denn funktionieren, wenn jedes Land mit seiner eigenen Währung sein eigenes Süppchen kocht? Das würde im Endeffekt nicht anders aussehen, wie das alte Deutsche Reich, das dem Namen nach zwar irgendwie etwas zusammenhängendes war, zwischen jedem Popelstaat aber Zollschranken standen und alle sich an die Gurgel gingen. Diese halbherzigen Beschönigungen sind typisch für Gruppen der Neuen Rechten, wie wir es schon von den Pro-Gruppen und der “Freiheit” kennen.

Die AfD ist nicht “eurokritisch”
Die Afd ist genau genommen europafeindlich. Es geht um nationalistische Abschottung. Kritik bedeutet aber nicht Ablehnung, sondern Aufzeigen von Missständen, damit es besser wird. Das ist durchaus notwendig, denn die EU ist alles andere als optimal organisiert. Die Lösung für die bestehenden Probleme liegt bei der AfD aber darin, den europäischen Einigungsprozess zu stoppen bzw. umzukehren. Aus einer solchen Haltung heraus erwächst aber keine Kritik, sondern Destruktivität. Das wäre ungefähr so, als würde ich aus meiner Kritik am Sozialsystem folgern, dass das Sozialsystem abgeschafft gehört.

Die AfD ist menschenverachtend
Das zeigt sich natürlich am besten am Kapitel zur Integrationspolitik. “Deutschland braucht qualifizierte und integrationswillige Zuwanderung”, heißt es da. Das Denken hinter einer solchen Formulierung bemisst Menschen schlicht nach ihrem ökonomischen Wert. Das setzt sich dann in dem spärlichen Teil fort, der vielleicht als Sozial-Teil des Programms bezeichnet werden könnte: “Deutschland hat zu wenig Kinder. Renten- und Krankenversicherung stehen deshalb auf tönernen Füßen.” Es sollen also mehr Kinder her, damit diese der Gesellschaft nach Vorstellung der AfD dienlich sind. Eine solche Basis für Familienpolitik hatten wir vor einigen Jahrzehnten schon einmal. Man braucht entsprechend nicht darauf einzugehen, dass Familie für die AfD natürlich heterosexuell und weiß ist, so wird es im Wahlwerbespot ja explizit gezeigt.

Im Wahlprogramm findet sich natürlich auch der fast schon zu erwartende Satz: “Eine ungeordnete Zuwanderung in unsere Sozialsysteme muss unbedingt unterbunden werden.” Das ist beste Stammtisch-Parolenklopperei aus dem rechten Lager. Denn eine solche Zuwanderung wird von Rassisten zwar immer wieder unterstellt, sie findet aber überhaupt nicht statt. Selbst die vielbeschworenen Einwanderer aus Südost-Europa haben im Schnitt einen höheren Bildungsstand als die deutsche Bevölkerung. Hier geht es also um nichts anderes, als rassistische Stimmungsmache.

Die AfD ist nicht besonders demokratisch
Im Programm wird zwar vieles gefordert, aber das hält nichtmal einer einfachen Prüfung in der Praxis stand. Das schlichte Wahlprogramm, das im Grunde nichts außer Parolen enthält, wurde von einigen Parteioberen geschrieben und dann abgesegnet. Da hatten ja selbst die Piraten in ihrer Anfangszeit mehr Mumm, als sie halt mit dem Wenigen auftraten, was bis dahin ordentlich von den Mitgliedern erarbeitet werden konnte. Und Notfalls hieß es dann halt: Dazu haben wir uns noch keine Meinung gebildet (was sich inzwischen ja wesentlich geändert hat). So viel dann übrigens auch zum AfD-Slogan “Mut zur Wahrheit”. Nicht mal hier ist die Truppe mutig genug, dann eben nur mit ihrem einen Kernthema loszulaufen – so blöd dieses auch sein mag. Statt dessen werden total mutig einige Zoten umhergeschriehen, die ohnehin in jeder zweiten Kneipe kurz vor Ausschankschluss zu hören sind.

Fazit: Die AfD ist keine Alternative
Oder zumindest eine denkbar schlechte, selbst wenn, oder gerade wenn, man für dieses Land hier etwas Gutes will. Die Wirtschaft in Deutschland ist seit dem letzten Krieg auf billige Massenproduktion ausgelegt (auch wenn man das nicht gern hört). Das ist die Grundlage für den Titel Exportweltmeister. Man benötigt nun wahrlich kein sonderlich umfassendes Wissen über Ökonomie, um zu erahnen, was eine eigene starke Währung, durch die die Produkte aus Deutschland entsprechend teurer würden, an Folgen nach sich zöge. Ganz davon abgesehen, wenn die zugegeben schwieriger werdenden Absatzmärkte des Euro-Raums plötzlich wegfielen.

Aber das ist für mich nur ein Randaspekt. Ich definiere mich aber auch in erster Linie als Mensch und nicht als Deutscher. Ich finde es wunderbar, wenn Europa weiter zusammenwächst und die Grenzen fallen. Noch wunderbarer fände ich es, wenn das über Europa hinaus geht. Denn diese Welt steht vor Herausforderungen und Fortschritten, die nur von der ganzen Menschheit gemeistert werden können – oder glaubt ernsthaft irgendwer, dass “wir” auch nur ansatzweise in der Lage sein werden, mit unseren Ressourcen und einer D-Mark in der Hand einen Mars-Außenposten zu bauen – oder etwas Vergleichbares zu tun? Na also!

PS:
Die AfD wird ja manchmal als Professoren-Partei bezeichnet. Was für ein Treppenwitz, wenn man sich mal anschaut, wie ihre Anhänger sich so im Netz zu Äußern in der Lage sind. ;)

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