Puh. Diese Woche und insbesondere dieser Tag waren echt heftig. Diese Sache mit dem Leistungsschutzrecht und der Bestandsdaten-Auskunft. Nach all der Euphorie mit ACTA und dem Höhenflug der Piraten bin ich als Netzkind von dieser Gesellschaft klassisch geerdet worden – geerdet in dem Sinne: Ein großer Klumpen Dreck direkt in die Fresse.

Ich bin aber weder ein Mimimi-Mensch, der sich resigniert in die Ecke setzen würde, noch jemand, der in einer solchen Situation voller Wut tonnenweise Erbrochenes in irgendwelche Kanäle kippt. Also habe ich mich zum Feierabend erstmal mit anderen Sachen beschäftigt. Umzugsvorbereitungen waren zu beenden und der Welpe zu bespaßen. Die Laune besserte sich aber nichtmal nach dem Essen (ich werde hungrig immer zerknautscht). Aber immerhin half das, um Raum zum Nachdenken zu bekommen.

Denn es war absehbar, was passieren kann. Und es ist passiert. Also habe wohl auch ich irgendwo einen Fehler gemacht, der dazu beigetragen hat. Aufregen und weitermachen wie bisher ist da keine gute Idee. Es müssen also Schlüsse gezogen werden. Einige Ideen hat Sascha Lobo ganz gut auf den Punkt gebracht. Andere berühren in diesem Fall mein berufliches Selbstverständnis.

Ich bin Bestandteil “der Medien”. Journalist. Wenn auch in einer Nische und keineswegs ein zweiter Daniel Ellsberg oder so. Aber im Job hatte ich bisher immer den Anspruch, Geschehnisse ordentlich abzubilden und einzuordnen. Natürlich nicht mit dieser angeblichen Objektivität, die immer wieder dazu führt, dass in Talkshows Menschen, die gute und wichtige Dinge zu sagen hätten, nur damit beschäftigt werden, sich gegen eine völlig idiotische “Gegenseite” zu wehren. Ich weiß, dass ich kein ideologiefreier Mensch bin – sowas gibt es nämlich nicht.

Da ich unter anderem über Netzpolitik für ein IT-Magazin schreibe, habe ich mich aber bemüht, auch möglichst neutral und mit einem gewissen Wohlwollen darüber zu schreiben, wenn sich bei der SPD oder der CDU Menschen zusammenfanden, um auch Netzpolitik zu machen und dabei auch die üblichen Themen der “Netzgemeinde” aufgriffen. Vielleicht keine Vorratsdatenspeicherung, keine Netzsperren usw.

Ich hab da jetzt aber keinen Bock mehr drauf. Auf mehreren Ebenen. Die Einfachste ist: Diese Netzpolitiker sind auf verlorenem Posten. Ich habe keine Ahnung, wie man in solchen Organisationen ehrlich für ein freies Netz eintreten will. Denn ein freies Netz kann es nur in einer freien Gesellschaft geben. Und auch, wenn es im progressiven Diskurs unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie diese aussehen soll und wie man dahin kommt – die so genannten Volksparteien stehen in der Praxis ganz objektiv für das Gegenteil. Ob sie es wollen oder nicht: Die Leute, die sich dort so netzaffin geben, sind letztlich nichts anderes als Feigenblätter einer Politik, die in der Vergangenheit feststeckt und überhaupt keine Idee davon haben will, wie eine prima Zukunft aussehen könnte.

Aber ich schweife ab. Die Sache mit dem Leistungsschutzrecht hat noch einmal deutlich gemacht, dass auch die sich so wichtig gebenden großen Presseorgane im Zweifelsfall alles in ihrer Macht stehende tun werden, um zu verhindern, dass ein freies Netz für sie zur Gefahr wird. Um hier aber gleich mal den Die-Bösen-Medien-Vertretern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Das ist keine große Verschwörung, sondern ein durchaus nachvollziehbares Prinzip in dieser Gesellschaft. Ich will mich daher auch gar nicht groß an Vorwürfen aufhalten, dass Springer & Co. da plötzlich etwas komisches täten.

Ich werde eher mein bisher etwas naives oder zu idealistisches Herangehen an diesen Beruf korrigieren. Ja, ich bin parteiisch. Die meisten Überschneidungen meiner Ideologie gibt es zweifelsohne mit der Piratenpartei. So einige auch mit der Linken. Und ich weiß auch die Arbeit vieler anderer zu schätzen, die sich teils als völlig gegensätzlich sehen, wie beispielsweise Kommunisten und Anarchisten. Aber solche Vereine wie die Union, die SPD oder die FDP werde ich auch im Job in keinem Fall mehr als ernst zu nehmende Kräfte behandeln, mit denen man eine Infrastruktur bauen könnte, wie sie für die Zukunft benötigt wird.

Ich freue mich auf eine konstruktive Debatte, wie man das weiterbringen kann – sei es in Hinsicht auf die Bundestagswahl oder wichtigerer Prozesse. Denn ich hab ja nun auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern mag es durchaus, dämliche Ansichten über den Haufen zu werfen. ;) Und mir geht’s grad wieder besser. #hach

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