“I Have a Dream!” So ein bisschen. Ich bin, meiner Ansicht nach, recht bodenständig und male mir schon lange nicht mehr aus, dass ich, wenn ich einmal groß bin, einmal Astronaut, Nobelpreisträger oder Weltherrscher werde. Aber ich stelle mir manchmal vor, dass ich irgendwann, so weit im Rentenalter, eine kleine Wohnung im Erdgeschoss in einem der Häuser meines Kiezes habe. Und da sitz ich dann Tagsüber, schaue gemütlich bei einem Bierchen heraus, rede mit diesem und jenem Bekannten. Und: Schimpfe und rante über alles Mögliche, vor allem aber die Vorüberziehenden.

Und dann merke ich regelmäßig, dass ich für einen solchen Job gar nicht qualifiziert bin. Denn ich verfüge offenbar nicht über ausreichend Empörungspotenzial. Hier ein Beispiel: Ich schaue jeden Sonntag Abend den Tatort im Ersten. Das ist eigentlich die einzige Feste Größe, was das Medium Fernsehen angeht. Und ich genieße es immer. Ich erwarte keine Revolution des Filmes, sondern eifach nette Unterhaltung am Sonntagabend. Das klappt mal gut, mal sehr gut. Aber es ist noch nicht passiert, dass ich total enttäuscht wurde.

Aber das werden wohl so einige, wenn ich – wie ja auch inzwischen üblich – nebenher Twitter verfolge. Da ist das dann unrealistisch (hey, es ist ein Film), unlogisch (es ist ein Film!) und schlicht schlecht (es ist kein Hollywood-Mega-Film!). Es ist mit schlicht unverständlich, wie ein solches Empörungspotenzial aufgebaut werden kann. Wenn ihr es nicht mögt, schaut es doch einfach nicht. Oder, was mir lieber wäre, denkt doch drüber nach, was ihr da schaut.

Genau so läuft es nämlich auch sonst. Es wird sich über tausenderlei Kleinkram empört. Vor allem über Dinge, bei denen ohnehin klar war, dass sie genau so passieren, wie sie laufen. Das ist vermutlich einfach: Wir regen uns darüber auf, dass eine konservative Regierung tut, was sie tut. Dass die fundamentalistischen Christen keine feministischen Positionen vertreten. Dass der “Tatort” kein “Stirb langsam” mit Logik drin ist.

Vermutlich ist das eine Sache, mit der man sich sehr wohl fühlen kann. Ich kenn das ja durchaus auch. Aber es bringt uns nicht weiter. Im Gegenteil: Es hält uns in manchen Fällen davon ab, die dringend benötige Entspannung zu bekommen (Tatort) oder den Fokus auf unsere eigentlichen Ideen zu legen (der Rest).

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