Leute, ich hab Dinge getan, die ich eigentlich nicht tun wollte. Die ich nicht mag, für gefährlich halte und die der Grund dafür sind, warum so manche Diskussion im Netz nicht so läuft, wie sie laufen sollte. Ich könnte jetzt sagen, ich habe mich zunehmend mit dem allgemeinen Grundrauschen mittreiben lassen, nicht über mein Handeln reflektiert. Vielleicht, weil ich in letzter Zeit viel um die Ohren hatte und etwas kaputt war. Aber das können keine Ausreden sein, die mich von meiner Verantwortung anderen gegenüber entbinden.

Aber das ist es nicht allein. Ich habe vor einiger Zeit formuliert, dass ich mich nach einer notwenigen Pause wieder in die politische Debatte einklinken will – und das mit einem bestimmten Anspruch: Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass Auseinandersetzungen um die Sache geführt werden. Denn Vieles von dem, was in letzter Zeit schief läuft, wo es nicht vorangeht und wo die Gräben tiefer werden, hat seine Ursache darin, das wir dem jeweiligen Gegenüber nicht den notwendigen Respekt entgegenbringen. Den Respekt und die Achtung, die grundsätzlich jeder Mensch verdient. Das gilt gerade dann, wenn die jeweiligen Gegenüber in ihren Haltungen besonders weit voneinander entfernt sind. [1] Und auch, wenn der oder die anderen sich nicht an die Standards halten, die ich für mich selbst setze.

Mal einen konkreten Fall, an dem mir gerade deutlich wurde, dass etwas schief läuft. Dieser Tage wurde ich auf Twitter darauf hingewiesen, dass jemand Nazipropaganda retweetet hat. Das passte irgendwie dubios in das Bild, was sich hier in meiner Timeline gezeichnet hatte. Irgendein CDUler, der schon mehrfach die Gemüter mit Äußerungen erhitzte, die weit neben meinem Weltbild liegen. Eine klare Sache. Also hab ich erstmal öffentlich angeprangert, dass der vermeintlich altbekannte Unsympath jetzt auch noch diesen Scheiß verteilt.

Es kam letztlich eine Reaktion zurück, die mir zu Denken gab. Derjenige guckte nochmal genauer, was er da weitergeleitet hatte und stimmte mir grundsätzlich zu – verbunden mit der Kritik, dass ich ihm das auch hätte direkt sagen können. Ohne den Umweg der Öffentlichkeit. Und das mit Recht. Denn wir kennen uns gar nicht. Ich verfolge nicht einmal im Detail, was er sonst so tut. Ich bin kein Follower. Dadurch bin ich im Eifer des Gefechtes zu einem Fehlschluss gekommen.

Das war nicht der einzige Fall. Auch ein Bewerber für die Landesliste der Piratenpartei Sachsen bekam einen schnoddrigen Kommentar, weil ich seine Performance bei der Vorstellung eher skurril empfand. Auch hier gab es eine Rückmeldung, die mir inzwischen zu Denken gab. Ich bitte beide – und auch andere, so ich zu persönlich wurde – um Entschuldigung.

Dies gilt ausdrücklich für persönliche und moralisch gehaltene Angriffe. Ich habe eigentlich schon gelernt, dass nichts weniger zielführend ist, als moralische Kritik an der jeweiligen Person. Das führt nie dazu, dass das Gegenüber sich auch nur ansatzweise damit auseinandersetzt, was ich selbst erreichen will. Ich werde mir also wieder mehr Mühe geben, in der Sache zwar hart zu sein, aber dabei nicht persönlich zu werden.

Mir geht es also dabei nicht darum, politische Gegner mit Samthandschuhen anzufassen. Wer andere Standpunkte vertritt, tut dies aber in der Regel nicht, weil es ein schlechter Mensch ist. Wir alle sind anders sozialisiert und haben andere Erfahrungen gemacht. Gerade in den Dingen, die mir persönlich sehr weh tun – konkret diskriminierende Verhaltensweisen – spiegeln sich Dinge wieder, die seit Jahrhunderten in diese Gesellschaft eingebrannt wurden. Ich habe mich aufgrund meiner eigenen Geschichte damit auseinandergesetzt und es in hoffentlich vielen Bereichen geschafft, diese tiefen Prägungen zu überwinden. Ich bin zutiefst überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, irgendwann in einer bessere Gesellschaft anzukommen.

Aber das ist auch kein Zuckerschlecken. Es ist hart und schmerzhaft, zu versuchen, aus dem Mainstream herauszurudern und einen anderen Weg einzuschlagen. Einige sind da schneller und wendiger als ich, andere langsamer, und wieder andere trauen sich nicht, sich zu bewegen – bewusst oder unbewusst. Keinem ist aber mit blinder Konfrontation geholfen. Es hilft letztlich nur, wenn es gelingt, selbst die positiven Seiten vorzuleben und sachlich Kritik zu üben an Menschen, deren Ansichten man verachten mag und die man nicht versteht. Das erfordert einen langen Atem, Geduld und Sensibilität. Aber ich glaube, es ist der einzige Weg, der letztlich zum Erfolg führt. Denn mein Bild einer zukünftigen Gesellschaft basiert auf der festen Überzeugung, dass der überwiegende Teil der Menschen in der Lage ist, vernünftig und humanistisch zu sein. Entsprechend muss ich also auch mit Menschen umgehen, die diesem Ideal nicht, oder scheinbar nicht entsprechen.

[1] Eine Ausnahme mache ich hier doch: Wer sich dafür entschieden hat, Nazi zu sein, hat selbst jeden ernsthaften Diskurs verlassen und wird bekämpft. Und ich meine wirklich “entschieden”. Aus den genannten Gründen und weil es wohl doch einen kleinen (!) Menschenschlag gibt, die mit Absicht und des eigenen Vorteils willen, böse ist.

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