Mit ziemlicher Sicherheit kommt bei jedem großen Projekt in der Grundlagenforschung und in der Raumfahrt irgendjemand um die Ecke und schimpft, dass das alles so teuer ist. In letzter Zeit auch wieder: 2,4 Milliarden Dollar um ein Fahrzeug auf den Mond zu schießen, dass da nach Sachen guckt, die uns nicht unmittelbar betreffen? Noch viel mehr Geld ausgegeben, um unter der Schweiz zu gucken, ob es ein Teilchen gibt, das man ohnehin nicht sehen kann? Und das während noch immer Leute in Armut leben!

Für gewöhnlich fängt dann auf unserer Seite immer die Suche nach Argumenten an, was uns die ganze Forschung dann doch immer für Vorteile bringt. Ok, die Teflon-Pfanne kommt nicht aus der Raumfahrt, aber immerhin der Klettverschluss. Und dann wird es schon schwierig, wenn man nicht auf eine abstrakte Meta-Ebene gehen will, zu der das Gegenüber dann zu folgen ohnehin meist nicht bereit ist.

Schön daher, dass sich Jerome Schnee von der Rutgers University mal hingesetzt hat, und die ganze Frage mal anhand des Apollo-Programms analysierte. Das stand seinerzeit auch massiv in der Kritik: Denn welch Hybris, den Wettbewerb mit den Russen unbedingt gewinnen zu wollen und Menschen auf den Mond zu bringen, während in den USA damals wirklich viele Menschen in sehr prekären Verhältnissen lebten.

Das ganze lohnt sich vor allem deshalb anzuschauen, weil ungefähr zeitgleich der Kennedy-Nachfolger Lyndon B. Johnson als US-Präsident mit “Great Society” ein riesiges Programm unter anderem zum Kampf gegen Armut und soziale Problem startete. In dieses flossen viel, sehr viel größere Beträge als in das Apollo-Programm. Kurzfristig hat das auch durchaus etwas gebracht, aber schon mittelfristig wurde es dann eher durchwachsen. Denn es wurden zwar durchaus Lebensverhältnisse verbessert, ohne aber nachhaltig auch eine Basis dafür zu errichten.

Das Apollo-Programm hatte hingegen längerfristig wohl sogar einen stärkeren Einfluss auf die Sozialstruktur. Denn das ganze Geld wurde ja nicht in eine Rakete gesteckt und mit den Astronauten zum Mond geschossen, sondern es wurde in die ganz erdgebundene Wirtschaft und Wissenschaft investiert. Dadurch gab es einerseits eine kurzfristige Schaffung von Arbeitsplätzen. Längerfristig hoben die notwendigen Entwicklungsarbeiten den technologischen Stand der US-Ökonomie außerdem auf ein ganz neues Level und das Streben nach Bildung und Erkenntnissen wurde über lange Zeit befeuert. Letztlich trug die Mondlandung so vermutlich mehr zur langfristigen Verbesserung der Lebensverhältnisse in den USA bei, als ein massiver, aber kurzfristiger Geldregen im Rahmen der Great Society.

 Leave a Reply

(required)

(required)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

   
© 2011 hedrik.de Suffusion theme by Sayontan Sinha