Die Spitzenpolitik hat es heute erneut verbockt. Und ich bin einmal mehr enttäuscht. Dabei ging es gar nicht um das übliche Hickhack, bei dem man ohnehin nichts mehr erwartet. Sondern schlicht um eine ganz einfache Regelung, von der tausende Menschenleben abhängen: Die Frage, wer Organspender ist.

Bisher läuft die Sache so, dass man freiwillig Organspender werden kann. Das heißt: Wenn man stirbt, erteilt man über eine Einwilligungserklärung die Erlaubnis, dass noch brauchbare Nieren, Herzen oder anderes an Bedürftige weitergegeben werden. Dafür muss man aber bewusst selbst aktiv werden und sich einen Organspendeausweis ausdrucken und den dann möglichst in der Geldbörse aufbewahren.

Die grundsätzlich bessere Lösung wäre hingegen ein Opt-out-Verfahren: Jeder, der sich nicht ausdrücklich dagegen ausspricht – wir nehmen ja Rücksicht auf etwaige religiöse Befindlichkeiten – ist Organspender. Punkt. Das würde die Hürden verschieben. Umfragen ergeben, dass ohnehin 70 Prozent der Bevölkerung im Grunde dazu bereit sind, nach ihrem Tod Spender zu sein. Trotzdem sinken die Spenderzahlen. Einfach weil viele zu bequem oder vergesslich sind, sich einen Ausweis auszudrucken und auszufüllen.

Der nun zwischen Regierung, Regierungsfraktion und Opposition ausgehandelte Weg ist aber mal wieder das Blödeste, was passieren konnte. An der bisherigen Regelung ändert sich gar nichts. Statt dessen sollen alle Bürger regelmäßig angeschrieben und gefragt werden, ob sie nicht doch einen Spenderausweis ausfüllen wollen. Das kann die Zahlen vielleicht etwas verbessern, löst aber vermutlich nicht wirklich grundlegend das Problem – denn Post, bei der es egal ist, wie man mit ihr umgeht, landet früher oder später ohnehin im Müll. Mittelfristig werden also weiterhin jene Organspender sein, die sich bewusst dafür entscheiden, entsprechend aktiv zu werden.

Also haben wir weiterhin viele Kranke, die auf den Wartelisten stehen – und zu einem guten Anteil einfach sterben werden. Etwa 12.000 sind es derzeit. Begründet wird die jetzige Entscheidung mit der Phrase “Kein Zwang”. Aber sorry, dass ist Bullshit! Es würde niemand zu etwas gezwungen, was ihm zu dem Zeitpunkt, an dem es passiert, in irgendeiner Form interessieren würde. Denn da ist man bereits tot. Und ob man nun mit einer Niere mehr oder weniger verbuddelt oder verbrannt wird, ist dann auch Wurst.

Wer sich einen Organspendeausweis zulegen oder sich weitergehend informieren möchte, bitte hier entlang.

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