An der Technischen Universität Dresden kann man allerlei interessante Dinge lernen. Das ist durchaus nicht nur auf Naturwissenschaft und Technik beschränkt, sondern zieht auch es gibt auch Links zu Geisteswissenschaften und so. Das ist ganz gut so, denn es war ja auch eine Lehre aus der Nazi-Zeit, dass reine Fachidioten, die nicht über den Tellerrand blicken, nicht erstrebenswert sind. Was mir dann aber doch zu weit geht, wenn an einem Ort der Wissenschaft Dinge als wissenschaftlicher Stoff gelehrt werden, die bisher eben noch keiner wissenschaftlichen Untersuchung auch nur im Ansatz standhalten konnten. Und damit fängt die TU Dresden nun offenbar auch an.

“Die Seminarteilnehmer sollen ein Verständnis der Methode der klassischen Homöopathie zur Selbstbehandlung in Akut- und Notfällen zu erlangen”, heißt es in der Werbung für eine Lehrveranstaltung (Seite 18). Hallo? Es ist ja wohl eine Sache, mit Zuckerkügelchen, die nachweisbar keinerlei Wirkung haben, einen Schnupfen zu behandeln. Der dauert ohnehin so lange er eben dauert. Meinetwegen auch psychosomatische Zipperlein. Aber Akut- und Notfällen mit Scharlatanerie beizukommen, ist wohl keine besonders prickelnde Idee. Und das auch noch als Wissenschaft zu verkaufen erst recht nicht!

Das Thema beschränkt sich übrigens nicht nur auf eine Veranstaltung im Rahmen des “studium generale”, einem Projekt der interdisziplinären Leere. Im letzten Sommersemester gab es auch ein “Wahlpflichtfach Klassische Homöopathie“. Hier wird allerdings dann schnell deutlich, woher der Wind weht: “Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns bei der Karl-und-Veronica-Carstens-Stiftung sowie beim Landesverband Sachsen des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.”

Wir haben es hier also mit einem weiteren Beispiel dafür zu tun, wie sich Pseudomediziner in Universitäten einkaufen, um diesen Zugang dann zu nutzen, um ihrem Kram einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Vorreiter dafür war ja die Viadrina in Frankfurt/Oder, aber auch einige andere Universitäten haben sich schon auf diese Weise kaufen lassen. Es würde mich wirklich interessieren, wenn da mal jemand reingeht und das kritisch wissenschaftlich begleitet und mal erzählt, was da genau abläuft.

Wobei es ja schon auch interessant ist, dass da eine ganze Reihe von Dr. med. mit als Dozenten auftreten. Kommen in der Medizinerausbildung irgendwie die Grundlagen wissenschaftlichen Denkens zu kurz? Oder wie kommt das? Ich kann mir ja irgendwie auch nur schwer vorstellen, dass in der Physik ein Seminar “Die quantenmechanischen Grundlagen für Jesus’ Gang über das Wasser” angeboten wird.

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