Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat bekannt gegeben, sein Demonstrationskraftwerk mit einem Verfahren zur Kohlendioxidabscheidung (CCS) doch nicht zu bauen. Ich begrüße das. Und ich gratuliere all den Brandenburgern und darüber hinaus, die dagegen Widerstand geleistet haben. Dazu kurz meine Beweggründe, die ich natürlich gern zur Diskussion stelle.

Das erste Mal fiel mir der Begriff CCS auf, als Vattenfall damit Werbung machte, in meiner einstigen Heimat, der Niederlausitz, ein CO2-freies Kohlekraftwerk bauen zu wollen. Jeder, der auch nur einen Ansatz davon versteht, wie das mit der Strom-Erzeugung aus fossilen Brennstoffen funktioniert, sollte an dieser Stelle hellhörig werden. Ein Kohlekraftwerk, wo hinten nicht CO2 rausfällt, geht natürlich nicht. Sie wollten es halt nur nicht mehr in die Luft pusten, sondern hochgradig in Wasser gelöst, tief unter die Erde verpressen. Es ist also nicht einfach nicht da, sondern nur woanders.

Da könnte man ja sagen: Tolle Sache! Aber so einfach ist das nicht. Einerseits gibt es durchaus Bedenken, dass die unterirdischen Lager nicht ganz dicht sein könnten. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass da Übles geschieht, aber die Sache mit dem Restrisiko kennen wir aus dem Nuklear-Bereich ja nun allerspätestens seit Fukushima. CO2 ist schwerer als Luft und wenn das in größeren Mengen hochkonzentriert in der Gegend eines niedrig gelegenen Dorfes aus der Erde zurückkommt, würden da vielleicht einfach mal die Leute ersticken. Nur soweit zum lokalen GAU.

Es wurde durchaus angemerkt, dass man CCS weiter erforschen sollte. Da bin ich unbedingt dafür. Hier geht es aber darum, dass wir vielleicht eine Möglichkeit finden, die Technologie zu nutzen, um CO2, das wir der Athmosphäre entziehen, wegzuspeichern. Im schlimmsten Fall könnte das helfen, die Klimakatastrophe zu bremsen. Wenn die geeigneten Speicherstätten dann aber schon von den Kohlekraftwerken gefüllt wären, ginge das nicht mehr.

CCS ist daher in letzter Konsequenz keineswegs Innovation und Klimaschutz, wie es die Vattenfall-Propaganda sagt. Es ist im genannten Fall schlichtes Greenwashing einer alten Methode zur Stromerzeugung. Würde dies zugelassen, wäre es nur ein weiteres Beispiel dafür, wie die Konsequente Arbeit an einer Umstellung auf regenerative Energieträger behindert wird. Und genau vor dieser Herausforderung stehen wir nunmal, ob uns das passt, oder nicht.

Letztlich heißt das Scheitern des CCS-Projekts von Vattenfall auch Hoffnung für eine Region. Ich bin damit groß geworden, dass schwere Maschinen die Landschaft, in der ich aufgewachsen bin, umpflügten. Gerade heute ist an der Stelle, wo ich als Kind durch die Wälder rannte und als Jugendlicher Partys an Lagerfeuern feierte – mit allem was dazugehört ;) – nichts mehr. Unter diesen heute nur noch erahnbaren Orten tut sich ein hundert Meter tiefes, sich über Kilometer erstreckendes Loch auf. Hier wurden Menschen ihres Zuhauses beraubt – und ihrer Erinnerungen.

Stünden auf den Feldern, auf denen ich damals Mais klaute, Windkraftwerke – ich würde staunend unter ihnen stehen und verfolgen, wie sie ihre Bahnen drehen. Fukushima hat einen entscheidenden Impuls gegen Atomkraftwerke in die Welt gebracht. Die kleinen Fukushimas im Süden Brandenburgs geschehen langsamer, stiller. Aber auch sie sind stetige Mahnmale dafür, überkommene Technologien nicht einfach grün anzumalen, sondern unsere Kreativität und Schöpferkraft dem wirklich großen und wichtigen Projekt zukommen zu lassen: Einer zukunftsfähigen Energieversorgung!

  One Response to “Mein Dogma und der Konzern”

  1. “…dass die unterirdischen Lager nicht ganz dicht sein könnten.” Das kann man allgemein auch über den Geisteszustand der Entscheidungsträger bei Vattenfall sagen.

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