Smartphones gelten ja seit einiger Zeit als “neuartige Rundfunkgeräte”. Der Besitzer ist also – falls man nicht schon für einen Fernseher zahlt – verpflichtet, Rundfunkgebühren zu entrichten. Mit dem so eingesammelten Geld produzieren die öffentlich-rechtlichen Anstalten dann Inhalte, die die Grundversorgung abdecken. Angesichts dessen, wie sich die inhaltliche Ausrichtung der privatwirtschaftlich finanzierten entwickelt, ist dieses Modell ein Segen.

Geht es allerdings nach den Zeitungsverlegern, sollen Smartphone-Besitzer die bereits finanzierten Inhalte auf ihrem Gerät nur möglichst umständlich ansehen können. Einige Verlage haben deshalb eine Klage gegen die Tageschau-App eingereicht. Diese soll möglichst wieder in der Versenkung verschwinden.

Bisher wurde das immer wieder damit begründet, dass in der App zuviel Text ist und nur ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, nicht aber eine öffentlich-rechtliche Presse existieren soll. Die Klage mutete etwas seltsam an, weil in der App ja nichts anderes steht, als auf der Webseite der Tagesschau auch, gegen die die Verlage bisher aber nicht vorgegangen sind.

Es ist daher ausgesprochen nett, dass Dietmar Wolff, Chef des Verleger-Verbandes VZBV nun mal Klartext redet. Es geht ausschließlich darum, dass die Verlage mit Smartphone-Apps nun endlich wieder etwas in der Hand haben, wofür die Nutzer bereit sind, zu zahlen. Daher seien kostenlose Angebote wie die Tagesschau-App “die Killer für ein digitales Geschäftsmodell der Presse”.

Die Verlage sind also jahrelang schlicht unfähig, ein tragfähiges Geschäftsmodell auf Basis des Internets aufzubauen. Das wurde stets auf die angebliche Gratis-Kultur im Netz geschoben – ein Argument, dass in Zeiten, in denen die ersten Blogger und Podcaster sogar von freiwilligen Spenden ihrer Leser und Zuhörer halbwegs leben können, seltsam anmutet.

Und als sich dann endlich mal jemand erbarmte und den Verlagen etwas vorsetzte, mit dem man Geld verdienen kann, stürzen sie sich drauf und fangen an, um sich zu beißen, damit sie es ganz für sich allein haben. Das hat das gleiche Niveau, wie die Forderungen nach dem Leistungsschutzrecht, auf die Mario Sixtus ja schon die treffende Antwort gegeben hat: “Ihr seid ohne Einladung auf diese Party gekommen. Das ist okay, ihr könnt gerne ein wenig mitfeiern. Prost! Aber wisst ihr, was gar nicht geht? Dass ihr jetzt von den anderen Gästen hier Geld kassieren wollt.

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