Mal wieder eine Zweitverwertung aus dem Hauptjob. Morgen sollen die ersten Galileo-Satelliten starten. Dabei feiern die europäischen Raumfahrt-Leute auch Sojus-Premiere:

Der Start der ersten beiden Satelliten für das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo steht unmittelbar bevor. Er soll am Donnerstag Mittag (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof der ESA in Kourou, Französisch-Guayana, aus erfolgen und dabei gleich eine Doppel-Premiere werden.

Denn nicht nur die ersten Galileo-Satelliten werden zu ihrer Umlaufbahn gebracht. Zum ersten Mal wird in Kourou dabei auch eine Sojus-Trägerrakete aus russischer Produktion zum Einsatz kommen. Für diese hatte der Betreiber Arianespace im Jahr 2004 mit dem Bau einer eigenen Startrampe begonnen.

Die beiden Galileo-Satelliten sollen von der Sojus in ihre Umlaufbahn auf einer Höhe von rund 23.600 Kilometern befördert werden. Sie tragen die Namen “Thijs” und “Natalia” – nach zwei Kindern aus Belgien und Bulgarien. Im Rahmen von Malwettbewerben wird aus jedem EU-Mitgliedsstaat ein Kind als Namenspate für einen der Satelliten ausgewählt.

Bis zum Jahr 2019 sollen insgesamt 30 Satelliten in den Orbit befördert werden. Bereits 2014 soll das Navigationssystem allerdings seinen Dienst mit 14 Satelliten aufnehmen. Bis zum vollständigen Ausbau wird es dann aber noch nicht die volle Leistung zur Verfügung stellen können.

Galileo stand zeitweise in der Kritik, weil das Projekt für die EU ein massives Zuschussgeschäft ist. Die EU-Kommission wies gestern allerdings darauf hin, dass es auch nicht unwesentlich ist, dass dadurch in einem Zeitraum von 20 Jahren rund 60 Milliarden Dollar in die europäische Wirtschaft fließen. Hinzu komme der Nutzen für die Öffentlichkeit und der ebenfalls nicht zu unterschätzende Vorteil, unabhängig von den Technologien anderer Wirtschaftsmächte zu sein.

Auch die Sojus-Kooperation soll der europäischen Raumfahrt spürbare finanzielle Vorteile bringen. So können die robusten und über Jahrzehnte bewährten russischen Trägerraketen zwar nicht so viel Nutzlast mitnehmen wie die europäische Ariane 5, dafür sind die Kosten für einen Start wesentlichen geringer. Dies eröffnet neue Einnahmemöglichkeiten im Bereich der kommerziellen Raumfahrt.

Im Gegenzug für die Bereitstellung der Sojus erhält Russland die Möglichkeit, eigene Missionen von Kourou aus zu starten. Da der Weltraumbahnhof dicht am Äquator liegt, können die Raketen die höhere Geschwindigkeit der Erdoberfläche genießen. Dies ermöglicht es, mehr Nutzlast zu transportieren oder – im Vergleich zum Start vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur aus – bei gleicher Last bis zu 45 Prozent weniger Treibstoff zu benötigen.

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