Oha. Wenn Hector Manterola von der National Autonomous University of Mexico Recht hat, können wir froh sein, dass es uns noch gibt. Zuvor aber noch eine kurze Abschweifung: Möglicherweise habt ihr ja schon vom Tunguska-Ereignis gehört. 1908 gab es in Sibirien eine gewaltige Explosion. In 30 Kilometern Umkreis wurden dabei 60 Millionen Bäume einfach umgeknickt und noch in 65 Kilometern Entfernung gingen Fenster zu Bruch. Eine wissenschaftliche Expedition, die das Zentrum des Ereignisses erreichte, gab es erst 1927. Diese fand – zur Überraschung aller – keinen Krater. Eine der Theorien ist es daher, dass ein Komet in die Athmosphäre eindrang, in ein paar Kilometern Höhe explodierte und so lediglich für eine gewaltige Druckwelle sorgte. Die Sprengkraft wird auf etwa das Tausendfache der Hiroshima-Atombombe geschätzt.

Aber nun zu der neuen Sache: Manterola geht davon aus, dass eine Sichtung zahlreicher Objekte, die ein Astronom im Jahr 1883 in Mexiko machte, auch ein Komet war, der der Erde recht nahe kam. Dieser war offenbar in zahlreiche kleinere Trümmer zerfallen und zog von der Position des damaligen Beobachters aus, an der Sonne vorbei. Bis zu mehrere tausende Objekte werden nun geschätzt. Allerdings gibt es keine anderen Beobachtungen, die die Meldung aus Mexiko bestätigten, was erstmal etwas verwunderlich scheint, denn schon damals gab es eine ganze Reihe von Leuten, die ständig in den Himmel guckten.

Es könnte aber durchaus sein, so Manterola, dass die Objekte auf einer Bahn flogen, die über Gebiete ging, wo nun nicht gerade viele Astronomen nach oben sahen und alles fein säuberlich aufschrieben: So wäre eine Äquator-nahe Bahn über Sahara, Mexiko und Pazifik denkbar. Wäre sie dann noch tief genug, hätten die Leute, die in Europa oder den USA beobachteten, wohl nicht mal am Horizont einen Hauch erkennen können.

Das Tolle an dieser Möglichkeit: Sie würde das Geschehen von damals erklären. Aber dann auch gleich mal kräftig erleichtert aufatmen, dass alles gut ging. Die fragliche Flugbahn läge dann nämlich in einer Höhe zwischen 600 und 8.000 Kilometern. Das ist im Wesentlichen der Bereich, der in der Raumfahrt als Low Earth Orbit (LEO) bezeichnet wird. Im Grunde noch gar nicht so richtig Weltraum, sondern noch ein Bereich mit Restathmosphäre (weswegen die dort fliegenden Satelliten und auch die ISS gebremst werden und abstürzen, wenn der Sprit alle ist). Die Objekte flogen also nach kosmischen Dimensionen in einer Entfernung vorbei, als wenn ein auf den Kopf gezieltes Projektil das Opfer zwar nicht verletzt, aber eine Schneise in der Frisur hinterlässt. Eine minimal, wirklich minimal andere Bahn hätte wohl genügt, dass es vermutlich mehrere tausend Tunguska-Ereignisse an zwei Tagen gegeben hätte. Dann hätte ein paar Jahre später zumindest niemand mehr dran gedacht, Weltkriege und sowas zu veranstalten. Man wäre eher damit beschäftigt gewesen, Faustkeile zu basteln.

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