Am Donnerstag fand ja die jährliche Verleihung der Ig-Nobelpreise statt. Dabei handelt es sich sozusagen um den Kuriositäten-Preis der Forschung. Und insbesondere jene, die meinen, Wissenschaftler seien trockene, kühle Leute, die wenig Sinn für Humor und Selbstironie haben, sollte sich die komplette Veranstaltung einmal ansehen.

Die Verleihung findet an der altehrwürdigen Harvard University statt. Überreicht werden die Preise jeweils von echten Nobelpreisträgern. Wie es sich gehört, ist die Auszeichnung in den verschiedenen Kategoerien eingebettet in ein buntes Rahmenprogramm, in dem viele Papierflugzeuge eine wichtige Rolle spielen, in einem kleinen Musical der Kaffee gewürdigt wird und man ein Date mit einem Nobelpreisträger gewinnen kann.

Jede dieser Veranstaltungen ist stets einer bestimmten Wissenschafts-Disziplin gewidmet. In diesem Jahr war es die Chemie. Das führt dann dazu, dass bei jeder Erwähnung des Wortes “Chemie” das Publikum jubelt. Hier mal die komplette Aufzeichnung der Veranstaltung (Wer sich die Spannung bewahren will sollte nicht tiefer scrollen, ansonsten im Anschluss eine Auflistung der vergebenen Preise):

Und das sind die Forschungsarbeiten oder Aktivitäten sowie die Preisträger der jeweiligen Disziplinen:

  • Physiologie: Für den Nachweis, dass das Gähnen bei Rotfuß-Schildkröten – anders als beim Menschen – nicht ansteckend ist. (Anna Wilkinson, Natalie Sebanz, Isabella Mandl, Ludwig Huber)
  • Chemie: Für ein japanisches Forscherteam, das untersuchte, welche Dichte an Wasabi-Spray in der Luft nötig ist, um schlafende Menschen in Notfällen aufzuwecken. Ihre Idee ist es, so beispielsweise Rauchmelder entwickeln zu können, die taube Menschen im Brandfall aus dem Bett holen.
  • Medizin: Für die Untersuchung, welche Entscheidungen Menschen besser und welche schlechter treffen, wenn sie dringend pinkeln müssen. (Mirjam A. Tuk, Debra Trampe, Luk Warlop)
  • Psychologie: Für die Untersuchung, warum Menschen im Alltag seufzen. (Karl Halvor Teigen)
  • Literatur: Für die Theorie des Strukturierten Prokrastinierens, die besagt, dass man um viel zu erreichen, stets an einem wichtigen Problem arbeiten sollte, was wiederum verhindert, dass man sich mit noch wichtigeren Sachen beschäftigt. (John Perry)
  • Biologie: Für den Nachweis, dass die Männchen einer australischen Käfer-Art bestimmte braune Bierflaschen stets für große Weibchen halten und versuchen, sich mit ihnen zu paaren. (Darryl Gwynne, Davis Rentz)
  • Physik: Warum Diskusswerfern schwindelig wird, Hammerwerfern hingegen nicht. (Philippe Perrin, Cyril Perrot, Dominique Deviterne, Bruno Ragaru, Herman Kingma)
  • Mathematik: An eine ganze Reihe von Personen, die für verschiedene Termine fälschlicherweise das Ende der Welt vorhersagten. Diesen stünde der Verdienst zu, der Menschheit vermittelt zu haben, dass man mit Ergebnissen mathematischer Berechnungen vorsichtig umgehen sollte.
  • Öffentliche Sicherheit: Für Versuche, die zeigten, dass Autofahrer vorsichtiger und sicherer Fahren, wenn ihnen immer wieder kurzzeitig ein Visier vor das Gesicht klappt und ihnen damit für wenige Sekunden die Sicht nimmt. (John Senders)
  • Frieden: Hier gab es den größten Beifall im Saal – wohl auch, weil die Aktion vor einiger Zeit auf YouTube große Beachtung fand. Der Preis ging an, Arturas Zuokas, den Bürgermeister der litauischen Hauptstadt Vilnius, der demonstrierte, dass man das Problem immer wieder auf Fahrradwegen parkender Luxus-Autos in den Griff bekommt, wenn man diese mit einem Panzer überrollt.

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