In der vergangenen Woche gab es Meldungen, zu denen ich noch etwas sagen wollte, aber nicht mehr dazu kam. Aber es lohnt sich durchaus auch jetzt noch. Und zwar geht es um die Geschichte, dass der Satellit UARS langsam aber sicher näher an die Erde kommt und Teile von ihm nicht verglühen, sondern auf dem Boden einschlagen werden. Und man hätte drauf wetten können: Um ja einen ordentlichen Reißer hinzukriegen sind sich wieder ein paar Leute nicht zu schade, ihr Unwissen über die Sachlage der ganzen Welt zu präsentieren.

Er wiegt sechs Tonnen und ist so groß wie ein Schulbus: Ein Forschungssatellit der Nasa rast Richtung Erde. Russische Medien befürchten, dass er nahe Moskau einschlagen könnte.

So teasert der ‘Stern‘. Respekt, immerhin der erste Satz kann so hingenommen werden. Aber dann geht es los. UARS ist 1991 gestartet und kreiste nun somit 20 Jahre um die Erde. Solch ein erdnaher Satellit wird dabei wegen der letzten Restathmosphäre immer ein klein wenig gebremst und sinkt dadurch stets ein bisschen nach unten. Deshalb wird hin und wieder das Triebwerk angeschaltet und der Orbit etwas angehoben – bis der Sprit alle ist. Was mag ihn nun wohl bewogen haben, seine Flugbahn plötzlich so stark zu verändern, dass er auf die Erde “zurast”? Mangels Treibstoff – der Tank ist ja leer – geht das wohl nicht mit dem Triebwerk. Also was bleibt da? Eine plötzliche Raumverzerrung aus dem Q-Kontinuum? Mitnichten. Es war eher die Phantasie des Autors. UARS sinkt weiter langsam ab, bis er in dichtere Athmosphäre-Schichten kommt und dann erst stärker gebremst wird.

Und auch dann wird kein sechs Tonnen schwerer Weltraumbus auf der Erde einschlagen. Der größte Teil wird nämlich verglühen. Ein paar Einzelteile kommen aber durch: Das schwerste wohl so um die 150 Kilogramm, einige nur 5 Kilogramm. Soweit so gut. Nun stellt sich die Frage, warum der Stern sich gemeinsam mit den russischen Medien Sorgen um Moskau macht. Hamburg wäre logischer – immerhin sitzt da die Stern-Redaktion und die Einschlagswahrscheinlichkeit ist war dort genauso hoch wie in Moskau. UARS bewegt sich immerhin zwischen den Breitengraden 57 Grad Nord und 57 Grad Süd und kann also theoretisch überall in dem Bereich herunterkommen. Also auch in Tokio, Kairo oder Lima.

Der Einschlag wird übrigens am Wochenende erwartet. Also bleibt lieber in Deckung! Nein, schon gut, inzwischen ist recht sicher, dass UARS in den Pazifik fallen wird. Aber bald gibt es ja die nächste Chance: Der deutsche ROSAT-Satellit wird schon im Oktober auf die Erde stürzen. Sowas kommt nämlich gar nicht so selten vor. Seit 60 Jahren kommt immer wieder Einiges runter und erschlagen wurde noch niemand.

Zu den Wahrscheinlichkeiten, dass ein Rückkehrer aus dem Weltraum ausgerechnet am unpassendsten Ort einschlägt, gibt es übrigens eine schöne Geschichte aus dem Jahr 2001, als die Raumstation MIR zum Absturz im Pazifik gebracht wurde. Hier war die Einschlagsregion deutlich stärker eingegrenzt und die Wahrscheinlichkeit, dass es ein bestimmter Punkt getroffen wird, entsprechend größer. Die US-Fastfood-Kette Taco Bell legte eine 12 x 12 Meter große Plane mit einem aufgemalten Fadenkreuz und der Aufschrift “Free Taco Here” in das entsprechende Seegebiet. Das Versprechen: Wenn die MIR die Plane trifft, bekommt jeder US-Bürger eine Portion Tacos ausgegeben.

Aber um nochmal auf die von Unwissen zeugenden Formulierungen zurückzukommen: Ich will ja nicht das der Eindruck entsteht, nur der Stern hätte Unsinn geschrieben. Kein Problem. Bei ‘Spiegel online‘ wird man ja auch mit ziemlicher Sicherheit fündig. Natürlich findet sich auch hier die Moskau-Geschichte. Und folgender Satz:

Der UARS ist im All, seit ihn 1991 der Space Shuttle “Discovery” in den Orbit schoss.

Wie das aussieht, wenn die Discovery einen Satelliten irgendwohin “schießt” seht ihr hier:

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