In den üblichen Diskussionen mit Leuten, die an diverse pseudowissenschaftliche “Heil”-Methoden glauben, kommt man ja – so man es mit jemandem zu tun hat, der nur aus Unwissenheit und nicht aus Arglist handelt – durchaus an den Punkt, dass man sich darauf einigen kann, dass der ganze Hokuspokus keine Wirkung hat. Zumindest keine, die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Dann kommt allerdings oft die Anmerkung: “Naja, aber es schadet ja auch nicht.” Das mag stimmen, wenn man einen kleinen Schnupfen mit Zuckerkügelchen “behandelt” oder sich zuhause unter eine Pyramide setzt (wenn man da bleibt, steckt man wenigstens niemanden an).

Allerdings ist das nur eine Seite der Medaille. Die reine Existenz solcher Aberglauben führt früher oder später dazu, dass jemand an ihn glaubt, der die Fähigkeit eines kritischen Blicks auf die Welt nicht einmal im Ansatz besitzt. Noch schlimmer wird es, wenn die, die es besser wissen sollten, zu bequem sind, einzuschreiten. Dann wird es übel! In Osttirol wurden gerade die Eltern und der Arzt eines im Alter von zweieinhalb Jahren gestorbenen Jungen zu Haft verurteil. Die Mutter hatte den Glauben in die Medizin verloren, weil schon früher zwei ihrer Kinder früh an Immundefekten gestorben waren. Bei ihrem dritten Kind, das das gleiche Problem hatte, verlangte sie deshalb vom Hausarzt eine homöopathische Behandlung. Aber mit Placebo gegen eine lebensbedrohende Erkrankung…

Dabei hätte der Bub gute Chancen auf Heilung gehabt, versicherten Mediziner im Innsbrucker Landesgericht: Noch am Tag seines Todes hätte er mit guten Aussichten behandelt werden können, hätte man ihn nur in eine Klinik gebracht. Und mit einer Knochenmark-Transplantation hätte eine mindestens 80-prozentige Chance auf Heilung des Immundefekts bestanden, der Sachverständige Kurt Widhalm sprach am Donnerstag sogar von 95 Prozent. (…) Der Arzt bekannte sich nicht schuldig. Er sei nur seinem Auftrag zur homöopathischen Behandlung nachgekommen.

Soviel also zur Harmlosigkeit der Homöopathie. Das Gleiche gilt aber auch für viele andere Methoden, die nichts mit Medizin zu tun haben. Einen guten Überblick gibt die Seite ‘What’s the harm?‘, die man ausdrucken und Leuten um die Ohren hauen sollte, die auf der Harmlosigkeit von dem ganzen Kram beharren. Hier sind inzwischen 368.379 Todesfälle dokumentiert, die ganz oder teilweise auf unterbliebener Behandlung durch echte Medizin beruhen. Und kommt mir jetzt nicht mit dem Argument, dass auch Ärzten tödliche Fehler unterlaufen. Es gibt einen Unterschied zwischen einem leider fatalen Irrtum und systematischer Verdummung.

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