Es gibt ja immer wieder Fürsprecher der Idee, dass die Stadtkinder aufs Land sollten, um mal etwas anderes kennenzulernen. Nämlich, dass das Essen nicht aus der Kühltheke kommt, sondern vom Feld und von Tieren, die im Stall stehen und süß gucken. Das finde ich super.

Es wäre aber in dieser Zeit auch angebracht, das nicht als Einbahnstraße aufzubauen. Denn in der Sache geht es ja darum, Lebenserfahrung zu sammeln. Und die ist andersrum offenbar ebenso notwendig, wenn nicht vielleicht sogar noch wichtiger. Es sollte also auch Austauschprogramme geben, in deren Rahmen Menschen aus weniger dicht besiedelten, recht homogenen Regionen zu uns kommen – mitten rein in das bunte Leben der Großstadt.

Hier lassen sich immerhin nicht weniger wichtige Erfahrungen sammeln. So zum Beispiel jene, dass Fremdes keine Gefahr ist, sondern spannend und interessant. Und das Leute, die irgendwie nicht aus dem gleichen Kulturkreis kommen, oft nicht nur sehr liebenswert sind, sondern auch ihre ganz eigenen Probleme haben, die den eigenen in vielen Fällen gar nicht so unähnlich sind.

Ich habe keine empirischen Belege, dass dies wirklich helfen könnte, den gerade immer weiter grassierenden Rassismus einzudämmen. Aber ich habe den Eindruck, dass dies ein wenig helfen könnte. Ich wäre daher gern bereit, eine Art “Stadtverschickung” zu betreuen.

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