Ich habe soeben einen aktuellen Aufruf des “Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen” mit unterzeichnet. Diese Organisation hat sich gerade erst gegründet, um den Interessen von Sexarbeiter_innen im politischen Lobbygeschehen eine Stimme zu verleihen.

Der Aufruf ist eine Reaktion auf die aktuelle Kampagne “Appell gegen Prostitution“, die von der ‘Emma’ initiiert wurde und von einer ganzen Reihe von Prominenten unterstützt wird. In dieser wird Prostitution mit Sklaverei verglichen und die üblichen Klischees von Menschenhandel und dem Kauf von Personen heraufbeschworen. Und es wird das Verbot der Prostitution gefordert.

Ich halte diesen Ansatz für falsch und schädlich. Nicht etwa, weil mir daraus ein persönlicher Nachteil erwachsen würde. Ich habe entsprechende Dienstleistungen noch nie in Anspruch genommen und habe das aktuell auch nicht vor – und ja, das ist ehrlich, ich hätte kein Problem damit, dazu zu stehen. Gleichwohl kenne ich Menschen, die in dem Bereich arbeiten oder gearbeitet haben. Allesamt freiwillig – soweit Freiwilligkeit in dieser Gesellschaft zu definieren ist.

Immerhin ist hier jeder mehr oder weniger gezwungen, irgendeiner Gewerbsarbeit nachzugehen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn man nicht der traditionellen Verklärung anhängt, Sex wäre ein heiliger Akt, der letztlich doch irgendwie in den Hafen der Ehe oder etwas Artverwandtem gehört, ist Sexarbeit dann doch ein Job wie viele andere, in die man seine Persönlichkeit, seine Kreativität und sein Herzblut steckt, um dann im marx’schen Sinne mit einem Krumen des Mehrwertes abgespeist zu werden. Kapitalismus, Dude.

Es sei ja jedem gern freigestellt, gegen Sexarbeit zu sein. Das geht aber nur in der Konsequenz, auch den Kapitalismus an sich abzulehnen und sich Gedanken darüber zu machen, wie eine Gesellschaft sonst so funktionieren könnte. Das kann eine Kampagne natürlich nicht leisten, die von Inzwischen-BILD-Kolumnistin Alice Schwarzer initiiert und von diversen CDU-Vertreter_innen unterstützt wird. Da ist es mir doch lieber, dafür einzutreten, dass die Beschäftigten in dem Bereich gestärkt werden und deutlich bessere Rechte erhalten.

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