An dieser Stelle mal eine kleine Erläuterung, was das öffentliche Streaming der Sitzungen von kommunalen Gremien angeht. Das ist keinesfalls eine Erfindung der Piraten, auch wenn diese das aktuell am stärksten fördern und umsetzen. Und es ist auch keineswegs so, dass ohnehin niemand zusehen mag, was eine Bezirksverordnetenversammlung, ein Stadtrat oder ein Gemeinderat so tut.

Ich komme ursprünglich aus einem Dorf im südlichen Brandenburg. Das heißt Neupetershain und hat derzeit mit allem Drum und Dran so etwa 1.400 Einwohner. Bei uns gründete sich Mitte der 1990er Jahre ein Verein, der sich eine lokale Kabellizenz besorgte und darauf einen eigenen Fernsehsender betrieb: Den “NIK Neupetershainer Informations & Kulturkanal“.

Schon 1995 ging es los. Einer der festen Sendepunkte war immer die Tagung des Gemeinderates. Diese wurde live übertragen. Aber nicht nur das. Beim Tagesordnungspunkt “Bürgersprechstunde” konnte man einfach anrufen und seine Probleme oder Meinungen vortragen und das kleine Dorfparlament nahm direkt darauf Bezug. Ich kenne zwar keine Zahlen, was die Einschaltquoten angeht, aber die können so niedrig nicht gewesen sein. Denn am nächsten Tag war das nicht weniger Gesprächsthema im Ort, als es heute bei großen Talkshows der Fall ist. Ich finde, da sollten sich einige Gremien mal ein Beispiel dran nehmen.

 

Selbst das gerade in München gestarteten Oktoberfest kann die Wissenschaft nicht einfach mal so links liegen lassen. So haben sich gerade mal Ökonomen von der Investmentbank UBS inspirieren lassen und sind der Frage nachgegangen, welches Völkchen auf der Welt denn eigentlich am günstigsten an sein Bier kommt. Und klarer Sieger ist hier die USA. Gut, könnte man jetzt sagen, für die dort zumeist erhältliche Brühe wird auch niemand viel ausgeben. Aber das tut der doch auch der in den USA sehr verbeiteten Szene der Kleinbrauereien, die allerlei Leckeres zaubern, doch auch wieder Unrecht.

Die beiden folgenden Plätze verwundern eigentlich wenig: Tschechien und Deutschland liegen hier fast gleichauf. Hierzulande, wo der Jahresverbrauch im Bevölkerungsdurchschnitt bei gut 100 Litern liegt, spielt vermutlich auch der Mengenrabatt eine Rolle. Am schlimmsten trifft es die Inder. Auf dem Subkontinent ist Bier etwa zehnmal teurer als in den USA.

Aber keine Sorge. Wer als Bierfreund einmal Urlaub in Indien machen will, muss keine Sorge haben, arm zu werden. Der Berechnung liegt der durchschnittliche Verkaufspreis im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen zugrunde. Es geht also darum, wie lange man quasi arbeiten muss, um sich einen halben Liter Bier leisten zu können. In den USA sind das etwa 6 Minute, hierzulande ungefähr 7. Der durchschnittliche Inder muss hingegen schonmal fast eine Stunde malochen, um sich überhaut ein Feierabendbier leisten zu können. Das sagt eigentlich mehr über die Einkommensverhältnisse, als über den eigentlichen Bierpreis aus – der ist in Indien nämlich ein gutes Stück niedriger als in Deutschland.

 

Mit ziemlicher Sicherheit kommt bei jedem großen Projekt in der Grundlagenforschung und in der Raumfahrt irgendjemand um die Ecke und schimpft, dass das alles so teuer ist. In letzter Zeit auch wieder: 2,4 Milliarden Dollar um ein Fahrzeug auf den Mond zu schießen, dass da nach Sachen guckt, die uns nicht unmittelbar betreffen? Noch viel mehr Geld ausgegeben, um unter der Schweiz zu gucken, ob es ein Teilchen gibt, das man ohnehin nicht sehen kann? Und das während noch immer Leute in Armut leben!

Für gewöhnlich fängt dann auf unserer Seite immer die Suche nach Argumenten an, was uns die ganze Forschung dann doch immer für Vorteile bringt. Ok, die Teflon-Pfanne kommt nicht aus der Raumfahrt, aber immerhin der Klettverschluss. Und dann wird es schon schwierig, wenn man nicht auf eine abstrakte Meta-Ebene gehen will, zu der das Gegenüber dann zu folgen ohnehin meist nicht bereit ist.

Schön daher, dass sich Jerome Schnee von der Rutgers University mal hingesetzt hat, und die ganze Frage mal anhand des Apollo-Programms analysierte. Das stand seinerzeit auch massiv in der Kritik: Denn welch Hybris, den Wettbewerb mit den Russen unbedingt gewinnen zu wollen und Menschen auf den Mond zu bringen, während in den USA damals wirklich viele Menschen in sehr prekären Verhältnissen lebten.

Das ganze lohnt sich vor allem deshalb anzuschauen, weil ungefähr zeitgleich der Kennedy-Nachfolger Lyndon B. Johnson als US-Präsident mit “Great Society” ein riesiges Programm unter anderem zum Kampf gegen Armut und soziale Problem startete. In dieses flossen viel, sehr viel größere Beträge als in das Apollo-Programm. Kurzfristig hat das auch durchaus etwas gebracht, aber schon mittelfristig wurde es dann eher durchwachsen. Denn es wurden zwar durchaus Lebensverhältnisse verbessert, ohne aber nachhaltig auch eine Basis dafür zu errichten.

Das Apollo-Programm hatte hingegen längerfristig wohl sogar einen stärkeren Einfluss auf die Sozialstruktur. Denn das ganze Geld wurde ja nicht in eine Rakete gesteckt und mit den Astronauten zum Mond geschossen, sondern es wurde in die ganz erdgebundene Wirtschaft und Wissenschaft investiert. Dadurch gab es einerseits eine kurzfristige Schaffung von Arbeitsplätzen. Längerfristig hoben die notwendigen Entwicklungsarbeiten den technologischen Stand der US-Ökonomie außerdem auf ein ganz neues Level und das Streben nach Bildung und Erkenntnissen wurde über lange Zeit befeuert. Letztlich trug die Mondlandung so vermutlich mehr zur langfristigen Verbesserung der Lebensverhältnisse in den USA bei, als ein massiver, aber kurzfristiger Geldregen im Rahmen der Great Society.

 

Eines der großen Themen der ESA ist aktuell der Merkur. 2015 wird “BepiColombo” starten, eine Mission zu dem sonnennächsten Planeten. Das ist ein ziemlich kompliziertes Unterfangen, wusste Rüdiger Jehn, Missionsplaner von der ESA, beim ILA-SpaceTweetUp zu berichten. Denn man hat mit der starken Gravitation der Sonne und den schnellen Umläufen des Merkur zu kämpfen. Deshalb hofft man, wenigstens einen halbwegs guten Orbit zu erreichen: Nah genug dran, damit man Bilder und Experimente machen kann, aber auch nicht zu dicht, weil man dann von Sonne und Merkur gleichzeitig gegrillt wird.

Über den Planeten weiß man noch vergleichsweise wenig, weil er durch seine Nähe zur Sonne schwer zu beobachten ist. Erst seit den 1960ern weiß man überhaupt Genaueres über die Rotation. Wie es im Inneren aussieht – nun, darüber ist man sich noch nicht ganz einig. Deshalb soll BepiColombo unter anderem erforschen, wie das Magnetfeld des Merkur beschaffen ist. Das verrät letztlich nämlich viel darüber, wie es unter der Oberfläche aussieht.

Wenn man sich schonmal auf den Weg macht, dann richtig: Es werden gleich zwei Satelliten mitgenommen, der Mercury Planetary Orbiter (MPO) soll dicht an Merkur ranfliegen und die Oberfläche aufnehmen, während der Mercury Magnetospheric Orbiter (MMO) weiter draußen das Magnetfeld ausmisst.

Der erste Satellite, der in die Nähe von Merkur kam, war Mariner 10 von der NASA Mitte der 1970er. Messenger lieferte dann 2008 und 2009 noch einige Daten. BepiColombo wird erst 2022 am Merkur ankommen, man muss sich also noch ordentlich gedulden, bis Daten hereinkommen. Diese sollen uns aber nicht nur mehr über den Markur selbst erzählen, sondern durchaus auch über die Erde. Denn die beteiligten Wissenschaftler erhoffen sich aus der Mission auch Erkenntnisse darüber, wie die inneren Planeten unseres Sonnensystems entstanden sind.

Eine Besonderheit beim Merkur, von der Jehn berichtete, ist der Lauf der Sonne, wenn man auf dem Merkur sitzen würde. Die geht im Grunde wie auf der Erde auf und irgendwann wieder unter – ein Merkur-Tag dauert über 58 Erdentage – zwischendrin bewegt sie sich allerdings ein Weilchen in die entgegengesetzte Richtung. Wenn man den richtigen Punkt findet, kann man sechs Tage lang immer wieder Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge beobachten. Merkur ist also ein bisschen romantisch.

 

In Wien gibt man über 500 Schülern schulfrei, damit sie organisiert eine Esoterik-Messe besuchen können. Vor Ort können sie an verschiedenen Workshops teilnehmen, in denen ihnen allerlei Unsinn beigebracht wird. Die “Gesellschaft für kritisches Denken”, der österreichische Zweig der GWUP, nimmt das nicht einfach so hin und hat den Wiener Stadtschulrat mal in einem offenen Brief gefragt, was das soll. Eine Antwort ist angekündigt und wird wohl dann auch bei Ulrich Berger veröffentlicht. Hier erstmal der Brief:

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Im aktuellen ‘Spiegel’ kommt Johann-Dietrich Wörner mit ein paar Interessanten Dingen um die Ecke. Von der technischen Seite her sind vor allem die Ideen für den europäischen Weltraumfrachter ATV spannend. Den will er möglichst als Servicemodul in das US-Raumschiff “Orion” integrieren. Klar, eine Orion ohne deutsche Beteiligung ginge schon kulturhistorisch nicht! ;)

Aber auch sonst. Orion wird von Lockheed Martin als eine Möglichkeit entwickelt, wie die NASA in absehbarer Zeit wieder selbst Menschen ins All bekommt. Wenn sich das ATV da ankoppeln ließe, wäre das wohl für alle von Vorteil. Es bräuchte etwas weniger Entwicklungs-Ressourcen in den USA und die hätten dann gleich was erprobtes. Und hier könnte man die Dinger in größeren Serien bauen und somit billiger machen. Wörner sagt dazu:

“Das ist eine Riesenchance, die uns auf dem Silbertablett geboten wird; wir müssen nur zugreifen!”, erklärt Wörner. “Wenn wir ja sagen, könnten wir bei künftigen bemannten Flügen jenseits des Erdorbits dabei sein – schließlich hat die Nasa angekündigt, mit dem Orion-Raumschiff Astronauten zum Mond oder sogar zu Asteroiden reisen zu lassen.”

Keine Ahnung, wie weit da schon Gespräche oder gar Planungen laufen. Vielleicht bekomme ich da ja Freitag mehr zu raus. Aber Wörner sieht da noch andere Möglichkeiten. Ein modifiziertes ATV könnte auch rumfliegen und Weltraumschrott einsammeln. Dass sich das Raumschiff selbstständig an Objekte rannavigieren und andocken kann, hat es ja bei der ISS schon bewiesen. Vielleicht gibt es ja also eine große Zukunft für das ATV darüber hinaus, nur Zulieferer für die Raumstation zu sein.

 

Ich habe das große Glück, in der kommenden Woche zum Space-Tweetup der DLR und der ESA eingeladen zu sein. Die beiden Organisationen holen dabei für einen ganzen Tag 50 ihrer Twitter-Connections auf die Internationale Luftfahrt-Ausstellung (ILA) in Schönefeld. Und da gibt es dann geballtes Programm, mit allem, was man sich als Wissenschafts- und speziell Raumfahrt-Fanboy nur so vorstellen kann (und, wie heut zu erfahren war, auch passende Hoodies ;) ):

  • ‘Meet the astronauts’: Treffen mit europäischen Astronauten
  • ‘Meet the scientists’: exklusive Gespräche mit Wissenschaftlern von DLR und ESA
  • Besichtigung des Space Pavillon: Europäische Raumfahrt erleben, unter anderem die ‘Erdbeobachtungsinsel’ und das ‘Robomobil’
  • Besichtigung des DLR-Standes: Luft- und Raumfahrtforschung zum Anfassen
  • Besichtigung der DLR-Forschungsflugzeuge
  • Treffen mit den Social Media-Teams von DLR und ESA sowie anderen europäischen “Spacetweeps”
  • Kurzvorträge von und Fragerunden mit Wissenschaftlern und Projektmanagern von DLR und ESA

Ich freu mich natürlich wie Bolle und werde den Anlass natürlich nutzen, um möglichst viel Stoff zu sammeln, den es dann hier zu lesen gibt. Live wird es dann am 14. September natürlich auch Einiges über meinen Twitter-Account zu lesen geben.

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