Die Exoplaneten-Forschung ist ja grad mal so richtig am Brodeln. Fast täglich gibt es neue Entdeckungen und manche davon sind mal so richtig schön aufregend. Der neueste Fall heißt “GJ 1214b“. Der Planet wurde schon 2009 mit Teleskopen auf der Erde entdeckt. Mit dem Hubble-Teleskop, das von der Erdumlaufbahn aus viel genauer hinschauen kann, wurden dann weitere Untersuchungen angestellt.

Und heraus kam, dass es sich um einen Planeten handelt, dessen Oberfläche und Athmosphäre vor allem aus Wasser besteht. Das bekommt man übrigens so raus: Erst analysiert man das Licht des Sterns. Über die Spektrallinien im Licht bekommt man heraus, aus welchen Stoffen dieser so besteht. Wenn der Planet im Transit – also beim Flug zwischen seinem Stern und dem Beobachter – ist, verändern sich die Spektrallinien ein klein wenig: Nämlich auf die Art, wie die Stoffe in der Atmosphäre das durchgehende Licht auf bestimmten Wellenlängen absorbieren. Diese Absorbtionmuster sind für jedes Element einzigartig.

Nun ist die Vorstellung eines Planeten, dessen Oberfläche vor allem aus Wasser besteht, vermutlich erst einmal nicht so exotisch. GJ 1214b ist aber 2,7 Mal so groß wie die Erde und die Masse ist sieben mal höher. Und wenn man mal an den Physikunterricht zurückdenkt, erinnert man sich, dass beispielsweise der Druck den Gefrier- und Siedepunkt von Wasser verändert. Hoher Druck führt beispielsweise dazu, dass Wasser nicht bei hundert Grad, sondern etwas heißer werden kann, bis es verdampft. Deswegen brauchen Sachen im Schnellkochtopf auch kürzer, bis sie fertig sind.

Die Bedingungen auf dem Planeten da sorgen also für Eigenschaften des Wassers, die unserer Alltagserfahrung völlig entgegenstehen. Genau weiß man es zwar noch nicht, aber es wäre denkbar, dass die Oberfläche aus 200 Grad heißem Eis besteht. Aber auch supraflüssiges Wasser könnte zu finden sein. (Bild: NASA)

 

Die ESA hatte heute einen großen Tag. Nach zehn Jahren Entwicklung startete heute die erste “Vega”, eine neue Rakete neben den “Ariane”-Launchern. Neben der Ariane 5 und der seit Kurzem auch bei der ESA startenden Sojus, gibt es nun eine vergleichsweise kleine Rakete. In dieser Klasse gibt es derzeit noch einige alte, umgebaute militärische Raketen für kleinere Missionen und in einigen Jahren wird Vega wohl die einzige Klasse dieser Größe sein, die für kommerzielle Projekte zur Verfügung steht.

Vega basiert auf Erfahrungen, die in Italien mit ballistischen Raketen aus den USA gemacht wurden. Hinzu kamen Technologien aus den Boostern der Ariane 5 und neue Materialien. Der neue Launcher soll die ESA in eine weltweit einzigartige Position bringen, so die Hoffnung.

An den Weltraumbahnhof in Kourou stellt Vega neue Herausforderungen. Dort müssen die Prozesse nun so gestaltet werden, dass die Startvorbereitungen für drei Startsysteme gleichzeitig laufen können. Vega besteht aus vier Stufen, die auch mehrere kleinere Satelliten auf verschiedene Umlaufbahnen bringen können. Die Rakete ist 30 Meter hoch und wiegt beim Start 137 Tonnen. Insgesamt können 2,5 Tonnen Nutzlast mitgenommen werden.

Und da es ein etwas kleineres System ist, geht die beim Start ziemlich flink ab. Beim erster Flug, der in erster Linie einer Reihe von Tests diente, wurden mehrere kleinere Satelliten mit in den Orbit gebracht, die vor allem verschiedenen Universitäten Experimente im All ermöglichen. Viel interessantes dazu und natürlich den ersten Flug der Vega gibt es in einem Video.

 

Florian Freistetter ist Astronom, Wissenschaftsautor und als Blogger der Betreiber des Science-Blogs “Astrodicticum Simplex“. Dort hat er schon des Öfteren auch etwas zu den kruden Weltuntergangsthesen für das Jahresende 2012 geschrieben. Jetzt hat er das alles und noch einiges mehr in einem Buch zusammengefasst.

“2012 – Keine Panik” heißt es und behandelt umfassend alle Aspekte, die in diesem Thema stecken. Der Leser erfährt beispielsweise, warum der 21.12.2012 keineswegs das Ende des Maya-Kalenders ist, sondern nur ein besonderes Silvester, warum es keinen Planet X gibt, der der Erde zu nahe kommt, und dieser schon gar nicht mit seltsamen Aliens bevölkert ist oder auch, warum die Sonnenstürme weder die Erde umkippen noch unser Bewusstsein anheben.

Freistetter erklärt all diese Sachen wissenschaftlich fundiert, trotzdem aber auf eine Art, dass auch der Laie sie problemlos verstehen und nachvollziehen kann. Nebenher bekommt man auch gleich noch einen guten Einblick, wie wissenschaftliches Denken funktioniert.

Der Autor entlarvt die Profitmaschine, die hinter der Weltuntergangs-Hysterie steht – von Roland Emmerichs Katastrophenfilm bis hin zu den alten Geistern der Szene: Denn natürlich ist auch Erich von Däniken schwer damit beschäftigt, mit seinem üblichen Geschwurbel ordentlich zu verdienen. Dessen Tipp, wie man sich am besten auf das Jahresende vorbereiten kann, liegt natürlich in einer Kaufempfehlung für sein eigenes Buch. Ich empfehle hingegen ohne Einschränkungen jenes von Freistetter. Es wird zum Preis von freundlichen 2,99 Euro für die Kindle-Plattform angeboten und kann somit auf den E-Book-Readern von Amazon oder die entsprechende Reader-Software am Rechner oder auf dem Smartphone gelesen werden.

 

Wie kann man die Evolution beschleunigen, wenn man noch nicht über die nötige Technik verügt? So:

Auf einem kleinen Acker tief im Bayerischen Wald vergrub Hans Steinhart einst Kartoffelknollen und säte Getreide. Was er erntete, waren Mutanten, genau wie er es erhofft hatte. Bevor er das Feld bestellte, war er zum Forschungsreaktor in Garching bei München gefahren und hatte das Saatgut in einer Tüte verpackt einige Minuten lang im bläulich schimmernden Reaktorbecken versenkt.

Da kam natürlich eine Menge Zeug bei raus, was erstmal über Rückkreuzungen auf ein Niveau gebracht werden musste, das langfristig nutzbar ist. Und heute liegt das im Bio-Laden.

Die pilzresistente Pfefferminz-Sorte “Todd’s Mitcham” ist ein Ergebnis der Zuchtversuche mit der Strahlenkanone. Nahezu die gesamte globale Pfefferminzölproduktion geht auf eine Mutante zurück. Auch die Grapefruitsorten “Star Ruby” und “Ruby Red”, die heute oft in Bioläden verkauft werden, sind Nachfahren aus Atomgärten. Fast die gesamte in Europa eingebrachte Gerstenernte trägt eines von zwei Genen, die vor Jahrzehnten durch Strahlen verändert wurden und dafür sorgen, dass die Ähren auf kürzeren und stabileren Stängeln wachsen.

Heute geht man anders vor. Es werden nicht mehr zufällig mit dem Holzhammer Gene verändert, sondern gezielt einzelne Veränderungen gefördert. Was ließe sich wohl erreichen, wenn man das nicht nur in die Hände finanzkräftiger Konzerne drängt, die sich eh nicht um ihr Ansehen scheren, sondern eine transparente Forschung stattfinden könnte? Das Schöne: Inzwischen braucht man für den ganzen Kram ja nicht mehr unbedingt superteure Labore. Also ist das auch Thema in der Hacker-Community geworden – Kohlenstoff statt Silizium also. Da gibt es einen prima CRE-Podcast zu: Biohacking. (Die Zitate oben: Süddeutsche)

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