Im ‘Spiegel‘ gab es dann heute mal richtig gute Nachrichten: Die Bundesregierung will in der Raumfahrt zukünftig auch mit China zusammenarbeiten. Angesichts der knappen Kassen bei den bisherigen Partnern im Grunde ein logischer Schritt.

“Die Chinesen haben große Ambitionen und verfügen über so riesige Mittel, dass wir in Bereichen wie der bemannten Raumfahrt gar nicht mithalten können”, sagte Peter Hintze, der Raumfahrtbeauftragte der Bundesregierung. Die Konsequenz müsse sein, “die Kooperation zu suchen”.

Und zumindest in diesem Bereich scheinen ja endlich Köpfe am Werk zu sein, die nicht mehr in den Kategorien des Kalten Krieges denken:

Während die Amerikaner es ablehnen, China Zugang zur Internationalen Raumstation ISS zu gewähren, sieht Hintze dies als sinnvoll an. Bei der wissenschaftlichen Erkundung des Mondes und des Sonnensystems sei die chinesische Raumfahrtoffensive “eine Bereicherung”, sagte er. (…) Im Gegensatz zu Deutschland sind die USA sehr auf Abgrenzung zur neuen Weltraummacht China bedacht. “Wir sollten nicht in die gefährliche Rhetorik eines neuen Kalten Kriegs im Weltraum verfallen”, warnt der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Johann-Dietrich Wörner.

Aber so ein kleines Ding kommt ja doch noch:

Hintze würde die Chinesen am liebsten auch für eine Zusammenarbeit beim Navigationssystem Galileo gewinnen.

Klar. Das ist von der Sache her auch sinnvoll. Aber hier spielt vermutlich auch die Tatsache eine Rolle, dass Galileo für Europa wohl nie eine gewinnbringende Sache sein wird, sondern ein heftiges Zuschussgeschäft. Was ja aber auch ok ist. Immerhin ist das eine nicht ganz unwichtige Infrastruktur-Maßnahme. Straßen sind ja auch nicht gerade ein profitabler Bereich.

Und in eigener Sache: Für den hundertsten Beitrag in diesem Blog ist es doch auch schön, ein Thema zu haben, dass unsere Wissenschaftsgemeinde letztlich hoffentlich bereichern wird. :)

 

Die ‘Zeit’ hat ein Porträt über Edzard Ernst veröffentlicht.

Prinz Charles könnte der nächste König Großbritanniens werden, er ist ein Anhänger der Homöopathie und hat eine Firma, die vor zwei Jahren Tropfen auf Artischockenbasis zur vermeintlichen Entgiftung des Körpers auf den Markt gebracht hat. Edzard Ernst ist Professor für Alternativmedizin an der University of Exeter und erforscht Nutzen und Risiken alternativer Heilmethoden, er hat die Artischockentropfen als Quacksalberei bezeichnet und den Prinzen einen Schlangenöl-Verkäufer genannt. Es war der Höhepunkt einer Fehde, zu der Prinz Charles sich nie öffentlich äußerte. Glaubt man Ernst, hat Charles jedoch alles darangesetzt, den Professor zum Schweigen zu bringen.

Eine durchaus erquickliche Lektüre über einen der wohl hartnäckigsten Aufklärer unserer Zeit, der sich mit dem Denken eine überflüssigen Herrschaftshauses anlegt. Ich empfehle sehr, dies zu lesen. Und für mehr grundsätzliches, was das Entscheidende in der wissenschaftlichen Methode angeht, sei an dieser Stelle die schon etwas ältere Ausgabe des Elementarfragen-Podcasts mit Harald Lesch empfohlen.

 

Mal wieder ein schönes Beispiel für die Kategorie “Wissenschaftler kommen auf gar seltsame Ideen”: Heute geht es um Seife. Magnetische Seife. Diese wurde jetzt an der Universität Bristol entwickelt, indem man Eisenpartikel in einem Tensid löste. Da kommt man auf den ersten Blick auch erstmal nicht drauf, welchen Sinn Seife haben sollte, die man mit einem Magneten anziehen kann.

Aber den gibt es dann durchaus, und die Sache könnte sogar ziemlich wichtig werden. Dabei geht es nicht ums Händewaschen oder so, aber im Prinzip doch um den gleichen Effekt. In Wasser gelöste Tenside interagieren ja schließlich mit Fetten, weshalb das alte Öl aus der Pfanne mit Spülmittel wesentlich besser rausgeht.

Ein Tropfen Seifenlösung wird vom Magneten angezogen

Im größeren Umfang könnte man genauso gut bei Ölkatastrophen größere Mengen Tenside ins Meer kippen. Dann hätte man zwar keinen Ölteppich mehr, aber riesige Mengen auch nicht gerade gesünderes Seifendreckwasser. Daher macht man das bisher nicht. Die neue Entwicklung ließe sich dann aber einsetzen, um den ganzen Kram dann mit einem Elektromagneten so zu konzentrieren, dass er sich leichter entfernen lässt.

Und der Effekt ist sogar ziemlich stark: “Nach Einführung des Magneten überwand die eisenreiche Seife sowohl die Schwerkraft als auch die Oberflächenspannung zwischen Wasser und Öl, schwebte frei durch die organische Lösung, erreichte die Quelle der magnetischen Energie und bewies damit ihre magnetischen Eigenschaften.”

 

Aber kommen wir mal zu den eigentlich wichtigen Nachrichten: Die russische Weltraumagentur Roscosmos ist hat mit der NASA und der ESA Gespräche über den Aufbau einer permantenten bemannten Basis auf dem Mond begonnen. Optional wäre auch eine Raumstation im Orbit. “Wir wollen nicht, dass der Mensch nur einen Schritt auf dem Mond macht”, sagte Roscosmos-Chef Vladimir Popovkin.

Und die Russen sind schon am arbeiten. Die Entwicklung eines Transportsystems, so wie es heute die Sojus für die ISS darstellt, läuft bereits. 2020 sollen die ersten Vorbereitungsmissionen starten können. Na dann: GO!

 

Leonid Ksanfomaliti von der russischen Akademie der Wissenschaften hat da wohl mal einen Artikel im Magazin ‘Astronomicheskii vestnik‘ (Die Richtige? Den Originalartikel hab ich online nicht gefunden.) veröffentlich, in dem er behauptet, Hinweise auf Leben auf der Venus gefunden zu haben. Er hat sich da noch einmal die Fotos von den russischen Venus-Missionen, bei denen ja einige Landeeinheiten durchaus eine Weile an der Oberfläche Messungen vornehmen konnten, in Ruhe durchgesehen.

Dabei will er nun verschiedene Objekte entdeckt haben, die auf den Bildern auftauchen, sich bewegen und wieder verschwinden. Von der Form her handelt es sich um Scheiben, andere schwarze Dinger und etwas, was aussieht, wie ein Skorpion.

Nun klingt das bei dem Menschen nicht um jemanden aus der typischen Bullshit-Ecke. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass der Planet nicht gerade Bedingungen bietet, die nach unseren Vorstellungen Leben ermöglichen könnten. Immerhin besteht die Atmosphäre vor allem aus Kohlendioxid – was ja noch nicht so schlimm wäre – aber es ist an der Oberfläche über 450 Grad warm und der Druck ist so hoch, dass die Landung der Sonden quasi erst dann halbwegs glückte, als man sie so konstruierte, wie die U-Boote, die hier in die Tiefsee tauchen. Aber wer weiß schon, was da draußen letztlich für Überraschungen warten…

 

Christian Reinboth von den ScienceBlogs hat eine Stellungnahme des Vereins Sternwarte Sankt Andreasberg veröffentlicht (und dran mitgeschrieben). Der Hobbyastronomenverein nutzt die Gegend im Harz, um sich den Sternhimmel anzusehen. Die so genannte Lichtverschmutzung ist dort relativ gering und man hat einen guten Blick auf den Nachthimmel.

Sogar der Bau einer richtigen Sternwarte ist geplant. So ein Projekt von Amateuren, abseits der ganz gut ausgelasteten und vergleichsweise straff organsierten wissenschaftlichen Einrichtungen, ist gut geeignet, mehr Menschen an das Thema heranzuführen. Insbesondere Jugendliche, bei denen es gerade angesichts der gesellschaftichen und medialen Entwicklung wichtig ist, sie für Naturwissenschaften zu begeistern.

Jetzt droht allerdings Ungemach. In der Nähe soll eine Skianlage gebaut werden – die auch Nachts nutzbar sein soll. Dafür sollen zahlreiche Flutlichtmasten sorgen. Das würde den Himmel letztlich wohl gewaltig eintrüben und etwas selten gewordenes verändern:

Die Gegend zwischen Sankt Andreasberg, Braunlage, Sorge und Elend gehört zu den wenigen Arealen in Deutschland, in denen noch nahezu natürlich dunkle Nachtverhältnisse vorherrschen…Bei guten Beobachtungsverhältnissen ist es hier sogar möglich, nicht nur die Milchstraße, sondern auch das Zodiakallicht mit bloßem Auge wahrzunehmen. Damit besteht für die Gegend die Chance, von der International Dark Sky Association (IDA), einer international tätigen Organisation zur Förderung der Astronomie, die sich für den Schutz von Orten mit guten Beobachtungsbedingungen weltweit einsetzt, zu einem „Dark Sky Park” – einem sogenannten Sternenpark – zertifiziert zu werden.

Von diesen Sternenparks gibt es in Europa nur vier Stück, in Deutschland keinen einzigen. Der Verein will deshalb gegen den Bau der Skianlage kämpfen. Denn – neben der bereits genannten Vorteile und dem Nutzen des Projekts für einen sanften Tourismus in der Region – nennt Christian einen weiteren nicht ganz unwesentlichen Aspekt: “Natürlich haben auch Hobby-Astronomen – genau wie alle Fußballer, Sportschützen und Mountainbiker auch – das Recht, sich dafür einzusetzen, dass man es ihnen die Ausübung ihres Hobbys nicht erschwert oder sogar unmöglich macht.” Genau!

 

An dieser Stelle meinerseits auch noch mal eine Wortmeldung zu diesem Wochenende, das ja von der “Grünen Woche” mitgeprägt war. Nun, ich war nicht da, obwohl sie neben den Wein- und Sonstwas-Proben vielleicht auch Interessantes verspricht. Aber worum es mir eigentlich geht, ist diese Demo, die anlässlich der Messe stattfand: Unter dem Slogan “Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie!” gingen gestern rund 20.000 Leute auf die Straße.

Ich finde diese Veranstaltung – gelinde gesagt – höchst seltsam. Immerhin steckt hinter diesem Motto doch nichts anderes, als das man angesichts einiger mit Sicherheit zu kritisierenden Zustände die romantisierte Vorstellung eines Landlebens aus der Bärenmarke-Werbung zum Erstrebenswerten erhebt. Die Realität ist allerdings, wie so oft, ein wenig komplexer. Continue reading »

 

Ich möchte an dieser Stelle kurz mal etwas zu einer Sache sagen, die sich mir noch nicht vollständig erschlossen hat, bei der ich aber von den Prinzipien her inzwischen eine andere Einordnung vornehme, als noch vor einiger Zeit. Es geht um die Meldungen der letzten Tage, dass BASF seine gentechnische Forschung in Europa weitestgehend einstellt und in die USA verlagert.

Hier sind meines Erachtens nach zwei nicht hinzunehmende Positionen aneinandergeraten, um die es im konkreten Fall vielleicht gar nicht ging: Einerseits die kommerzielle Verwertung von wissenschaftlichen Prozessen, teils auch ohne Rücksicht auf Verluste. Andererseits ein unwissenschaftlicher Kampf gegen Dinge, die einfach in einen Topf geworfen werden, weil sie einer Richtung angehören – ohne Rücksicht auf wissenschaftliche Methoden und mit quasi mit einer religiösen Tendenz.

Der Kritik an kommerzieller Gentechnologie ist hierzulande schon viel gesagt worden. Daher will ich darauf gar nicht weiter eingehen. Es geht mir eher um die andere Seite. Inzwischen haben wir es mit einer Situation zu tun in der offenbar eine Forschung in dem Bereich automatisch mit dem Prädikat “böse” behaftet ist. Eine Differenzierung findet kaum statt.

Letztlich bleibt dabei der schale Beigeschmack, dass hier keine andere Denke dahinter steht, als jener, dass Moslems allesamt Fundamentalisten und nur mit Argwohn zu beobachten sind. Auf der einen Seite gehen also hochgebildete Leute mit Migrationshintergrund lieber in Länder ihrer Eltern oder Großeltern, die sie praktisch nur aus dem Urlaub kennen, weil sie den alltäglichen Rassismus nicht mehr erleben wollen.

Und fähige Biologen suchen ihr Heil auf der anderen Seite des Atlantiks. Weil hier eine fundamentalistische Lobby öffentlich soweit Front gegen Wissenschaft macht, bis daraus Leute hervorgehen, die gewalttätig gegen Forschungsanlagen vorgehen. Das ist, ehrlich gesagt, nicht das, was ich will. Da ich aber selbst nicht tief genug in der Sache drinstecke, hier noch einige Links zur weiteren Beschäftigung:

 

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis. Im letzten Jahr lief der Film “Die Mondverschwörung” in einigen kleinen, ausgewählten Programmkinos. So ist das halt. Die wirklich guten, wichtigen Sachen, kommen nicht in die Mainstream-Welt. Und dieser Film ist äußerst empfehlenswert. Ich hatte das Glück, ihn bereits im Kino zu sehen und war sehr beeindruckt.

Denn dieser Film zeigt, was Esoterik wirklich ist. Er tut dies nicht mit erhobenem Zeigefinger oder einer teils durchaus ja auch anzutreffenden Überheblichkeit. Er nähert sich dem Phänomen mit kleinen, naiv wirkenden Fragen. Und auf diesem Weg gelingt es erst einmal, die absurde Banalität des beobachteten Objekts darzulegen. Dabei bleibt kein Auge trocken. Doch letztlich bleibt dem Beobachter das Lachen im Halse stecken…

Jetzt wird an der Veröffentlichung auf DVD gearbeitet. Mit vielseitigem Bonus-Material. Und da es sich um ein kleines Independent-Projekt handelt, ist natürlich die Finanzierung nicht einfach so zu stemmen. Deshalb habt ihr hier die Chance, die DVD vorzubestellen und dabei noch einige Zugaben mitzunehmen: Zum normalen Preis von 20 Euro gibt es signierte Fassungen, ihr könnt aber auch Premium-Sponsor werden und dafür Original-Requisiten aus dem Film erhalten. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Und für alle, die noch nicht genug davon haben: Der vorherige Film von Dennis R. D. Mascarenas, “Deckname Dennis” in dem er die “verborgene Schichten der deutschen Volksseele” betrachtete, gibt es online zu kaufen – auf einem Weg, der für die großen Film-Verleiher mal ein Vorbild ist: Bei OnlineFilm einfach so gegen kleines Geld zum Download. Hab ich gleich mal geklickt und werd ihn mir jetzt ansehen.

 

So, zurück aus der Weihnachts- und Jahresend-Ruhe. Das klingt ja durchaus spannend: Die Bloggerin Lana Sator berichtet, dass sie problemlos in den Konstruktions-Komplex der Sojus-Raketen spazieren konnte. Es gibt eine Menge Fotos und so. Security-Leute gab es wohl nicht, nur Löcher im Zaun und Hunde, die sich nicht für sie interessierten. Daneben eine Reihe von dem, was man sich so an Industrie in der Gegend vorstellt.

Wenn das alles so echt ist, wirkt das schon krass. Das hieße im Grunde, dass die Russen mit ihrem angeblich maroden Kram immer noch mehr auf die Reihe bekommen, als der Westen so mit seinen High-End-Geschichten. Würde mich, ehrlich gesagt, nicht unbedingt wundern, so wie ich einiges kennenlernte.

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