In der vergangenen Woche gab es Meldungen, zu denen ich noch etwas sagen wollte, aber nicht mehr dazu kam. Aber es lohnt sich durchaus auch jetzt noch. Und zwar geht es um die Geschichte, dass der Satellit UARS langsam aber sicher näher an die Erde kommt und Teile von ihm nicht verglühen, sondern auf dem Boden einschlagen werden. Und man hätte drauf wetten können: Um ja einen ordentlichen Reißer hinzukriegen sind sich wieder ein paar Leute nicht zu schade, ihr Unwissen über die Sachlage der ganzen Welt zu präsentieren.

Er wiegt sechs Tonnen und ist so groß wie ein Schulbus: Ein Forschungssatellit der Nasa rast Richtung Erde. Russische Medien befürchten, dass er nahe Moskau einschlagen könnte.

So teasert der ‘Stern‘. Respekt, immerhin der erste Satz kann so hingenommen werden. Aber dann geht es los. Continue reading »

 

In den üblichen Diskussionen mit Leuten, die an diverse pseudowissenschaftliche “Heil”-Methoden glauben, kommt man ja – so man es mit jemandem zu tun hat, der nur aus Unwissenheit und nicht aus Arglist handelt – durchaus an den Punkt, dass man sich darauf einigen kann, dass der ganze Hokuspokus keine Wirkung hat. Zumindest keine, die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Dann kommt allerdings oft die Anmerkung: “Naja, aber es schadet ja auch nicht.” Das mag stimmen, wenn man einen kleinen Schnupfen mit Zuckerkügelchen “behandelt” oder sich zuhause unter eine Pyramide setzt (wenn man da bleibt, steckt man wenigstens niemanden an).

Allerdings ist das nur eine Seite der Medaille. Die reine Existenz solcher Aberglauben führt früher oder später dazu, dass jemand an ihn glaubt, der die Fähigkeit eines kritischen Blicks auf die Welt nicht einmal im Ansatz besitzt. Noch schlimmer wird es, wenn die, die es besser wissen sollten, zu bequem sind, einzuschreiten. Dann wird es übel! In Osttirol wurden gerade die Eltern und der Arzt eines im Alter von zweieinhalb Jahren gestorbenen Jungen zu Haft verurteil. Die Mutter hatte den Glauben in die Medizin verloren, weil schon früher zwei ihrer Kinder früh an Immundefekten gestorben waren. Bei ihrem dritten Kind, das das gleiche Problem hatte, verlangte sie deshalb vom Hausarzt eine homöopathische Behandlung. Aber mit Placebo gegen eine lebensbedrohende Erkrankung…

Dabei hätte der Bub gute Chancen auf Heilung gehabt, versicherten Mediziner im Innsbrucker Landesgericht: Noch am Tag seines Todes hätte er mit guten Aussichten behandelt werden können, hätte man ihn nur in eine Klinik gebracht. Und mit einer Knochenmark-Transplantation hätte eine mindestens 80-prozentige Chance auf Heilung des Immundefekts bestanden, der Sachverständige Kurt Widhalm sprach am Donnerstag sogar von 95 Prozent. (…) Der Arzt bekannte sich nicht schuldig. Er sei nur seinem Auftrag zur homöopathischen Behandlung nachgekommen.

Soviel also zur Harmlosigkeit der Homöopathie. Das Gleiche gilt aber auch für viele andere Methoden, die nichts mit Medizin zu tun haben. Einen guten Überblick gibt die Seite ‘What’s the harm?‘, die man ausdrucken und Leuten um die Ohren hauen sollte, die auf der Harmlosigkeit von dem ganzen Kram beharren. Hier sind inzwischen 368.379 Todesfälle dokumentiert, die ganz oder teilweise auf unterbliebener Behandlung durch echte Medizin beruhen. Und kommt mir jetzt nicht mit dem Argument, dass auch Ärzten tödliche Fehler unterlaufen. Es gibt einen Unterschied zwischen einem leider fatalen Irrtum und systematischer Verdummung.

 

Am letzten Wochenende ging übrigens mal wieder los in Richtung Mond. Das Gravity Recovery and Interior Laboratory (GRAIL) wurde von der NASA gestartet. Zum Jahreswechsel werden dann wohl hoffentlich nicht nur aus traditionellem Anlass die Korken knallen. GRAIL besteht aus zwei Satelliten, die am Mond zusammenarbeiten sollen, um verschiedene Messungen vorzunehmen. Vor allem hinsichtlich der Dichte und der daraus resultierenden Gravitationseigenheiten der verschiedenen Gegenden auf dem Mond.

Dabei geht es um nichts anderes, als um die Überprüfung einer gar nicht so bekannten Theorie. Es geht darum, dass der Mond auf der erdzugewandten Seite recht eben ist – wenn man mal von den Kratern absieht. Auf der Rückseite gibt es aber große Unebenheiten und Gebirge. Warum das so ist? Es gibt Vermutungen, dass wir vor sehr vielen Jahren mal zwei Monde hatten, einer davon etwa ein Drittel so groß, wie der andere. Die sollen dann irgendwann kollidiert und zu einem Mond verschmolzen sein.

Wem das noch nicht werrückt genug ist, der kann sich ja mal damit beschäftigen, wie da so gemessen wird. Man misst Veränderungen der Entfernung zwischen den beiden Satelliten. Wenn einer über ein Gebiet mit größerer Dichte und entsprechend höherer Gravitationswirkung fliegt, wird er etwas stärker angezogen. Solche Einflüsse sind zwar minimal, aber die Distanz zwischen beiden GRAIL-Flugkörpern kann auf ein Mikrometer genau bestimmt werden. Selbst wenn sich heraus stellt, dass es nicht zwei Monde gibt, erhofft man sich Erkenntnisse über die Entstehung des Mondes und einiger Planeten, die eine ähnliche Geschichte hinter sich haben.

 

Im US-Bundesstaat West Virginia liegt die “National Radio Quiet Zone” (NRQZ). Das ist ein Gebiet einer Größe von über 33.000 Quadratkilometern, in dem alles, was in gewissem Maße elektromagnetisch strahlt, nicht betrieben werden darf. WLAN-Router, Handys usw. sind verboten. In einem älteren Beitrag vom ‘Wired‘ wird davon berichtet, wie einer der Hüter des strahlenfreien Luftraums sich zu einem älteren Ehepaar trianguliert. Die hatten ihrem Hund ein Heizkissen hingelegt, in dem es einen kleinen Defekt gab, der ein elektromagnetisches Feld erzeugte.

Das ganze hat einen ganz praktischen Zweck: Zum einen steht da eine Reihe von sensiblen Radioteleskopen, die möglichst wenig Störstrahlung auffangen sollen. Aber auch verschiedene Langstrecken-Lauscheinrichtungen der US-Geheimdienste sind hier zu finden.

Die Region wird nun zu einem beliebten Siedlungsgebiet für Leute, die meinen, unter Elektrosensibilität zu leiden. Die ‘BBC‘ berichtet beispielsweise von einer Frau, die lange in einem Faradayschen Käfig wohnte, weil die ganzen Funkwellen dazu führten, dass sie ständig rot anlief und ihr Kopf verrückt spielte. Nach dem Umzug kann sie nun endlich aus dem Haus gehen und den Regen genießen. Zwar gibt es trotz zahlreicher Untersuchungen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, warum jemand so extrem auf so schwache Funkereien reagieren sollte, aber vermutlich hat das was mit einer sensiblen Aura oder ungünstigen Sternenkonstellationen bei der Geburt zu tun. ;)

 

Seit einiger Zeit sind wir in der Lage Exoplaneten zu beobachten – also Planeten, die um andere Sterne kreisen. Jetzt wurde gerade ein besonderer Freak unter ihnen ausgemacht. Um die Sonne Kepler-19, die rund 650 Lichtjahre von uns weg ist, kreist Kepler-19b (ok, die Namensgebung ist noch wenig spektakulär). Der kreist in nur neun Tagen einmal um seinen Stern…das ist schon mal recht fix, aber noch nicht einmal das Sonderbarste.

Kepler-19b hat nämlich offenbar noch einen Bruder, der recht großen Einfluss auf ihn hat – zumindest was kosmische Maßstäbe angeht. Je nachdem wo sich der zweite Planet gerade befindet, dauert ein Kepler-19b-Jahr nämlich mal fünf Minuten länger und mal fünf Minuten kürzer. Das ist bei der kurzen Umlaufzeit schon eine ganze Menge. Hochgerechnet auf uns, hätten wir da mit ganz anderen Schwierigkeiten zu tun, als uns alle vier Jahre mal auf ein Schaltjahr einzulassen.

Hier mal noch ein kurzes Video mit einem kurzen Interview mit einem Exoplaneten-Sucher. Die entscheidende Frage wird natürlich auch beantwortet: Leben muss da draußen eigentlich recht verbreitet sein. ;)

 

IBM hatte ja mit seinem Rechner namens “Watson” kürzlich für Aufsehen gesorgt. Das Gerät gewann mal eben gegen die Jeopardy-Champions. Schachcomputer sind da relativ trivial gegen – also zumindest aus Sicht dessen, wie man Aufgaben mit Computern berechnen kann. Jetzt geht es für das dahinterstehende System also in die praktische Welt raus, wo es wirklich um was geht. Watson soll zukünftig in der Medizin assistieren.

Immer wieder kommt es immerhin vor, dass Ärzte von äußeren Faktoren beeinflussen lassen – wie beispielsweise, dass eine Erkrankung zu einem bestimmten Zeitpunkt ohnehin häufig auftritt. Ähnliche Anzeichen bei anderen Patienten werden dann unabsichtlich schnell einmal in die gleiche Schublade gesteckt. Möglich ist auch, dass ein spezialisierter Arzt weniger bekannte Krankheiten aus einem anderen Bereich kaum kennt und daher nicht als Diagnose-Möglichkeit in Betracht zieht.

Soweit spannend. Eingekauft wurde das allerdings von einer Versicherung, die so die Kosten für Therapien nach falschen Diagnosen reduzieren will. Naja, hat halt vieles so seinen Haken.

Aber der Rechner ist echt beeindruckend. Er kann immerhin 200 Millionen Seiten an Inhalten binnen nur drei Sekunden analysieren und je nach Bedarf auf passende Fragestellungen antworten. Hier daher nochmal live seinen Auftritt in der Quiz-Show:

 

Es war einer der Momente, die für mich wirklich atemberaubend waren: Mitten in einer Zeit gedrückter Stimmung, angespannter Unruhe und nasskaltem Wetter stieg ich aus der U-Bahn und stand vor einem riesigen Display, auf dem ein schlagendes Herz über die Stadt strahlte. Berlin. Alexanderplatz.

Am 11. September 2001 startete das Projekt Blinkenlights. Das Haus des Lehrers war zur Sanierung leer gezogen und der Chaos Computer Club feierte im nebenstehenden Congress Centrum seinen 20. Geburtstag. Einige Leute hatten also die Idee, die Fassade nebenan in einen Monitor zu verwandeln. In den folgenden Monaten spielten hier Leute über ihr Handy “Pong”, entwarfen eigene Animationen oder erfreuten sich einfach an dem, was da so passierte. Es war großartig!

Blinkenlights Berlin Documentation Video from Tim Pritlove on Vimeo.

Wer mehr über die Hintergründe, den Umgang mit dem letztlich unglücklichen Starttermin und den folgenden Blinkenlights in Paris und Toronto erfahren will, dem sei die entsprechende Ausgabe des Küchenradio-Podcasts mit Tim Pritlove, einem der führenden Köpfe hinter dem Projekt, empfohlen.

 

Was man der NASA ja echt lassen muss: Sie haben verstanden. Das Internet ist eine Plattform, auf der so einiges geht. Die haben da mal eben Unity 3D genommen – ein Framework, das eigentlich für Spielegrafik gedacht ist – und bilden darin unser Sonnensystem ab. Soweit, so gut…

Das wird nun aber noch mit Echtzeit-Daten gefüttert. Man kann live nachverfolgen, wo gerade welche Raumfahrt-Mission langfliegt. Wenn ihr da beispielsweise auf die Erde zoomt, seht ihr, wo die ISS aktuell ist.

Das Gleiche gilt aber auch für Missionen weiter draußen, wie etwa Rosetta oder das uralte Pioneer. Und hier auch die Missionen, die gerade um den Mars kreisen.

Um das Ganze selbst nutzen zu können, bedarf es einer Installation des entsprechenden Plugins. Aber die kleine Mühe lohnt sich. Hier ist “Eyes on the Solar System“.

 

Die NASA hat mal hochauflösendere Bilder von ihren Studiokulissen veröffentlicht. ;) (Klick macht größer)

 

Mal wieder ein klarer Fall von “Wissenschaftler beantworten eure Fragen, wenn ihr sie denn fragt”: Seit jahren rätselt die Presse über ein seltsames Phänomen vor sich hin. Immer wieder gibt es Meldungen, dass an der nordamerikanischen Küste Füße von Toten angespült werden. Die restlichen Körperteile bleiben verschwunden. Von einem Serienmörder bis hin zu üblen Mafia-Methden gingen die Spekulationen.

Endlich wurde nun mal jemand gefragt, der sich mit sowas auskennt. Für Gail Anderson eine Forensikerin aus Vancouver ist das alles wenig mysteriös. Eine Leiche im Wasser zersetzt sich halt, dient als Fischfutter und so weiter. Im Grunde landet alles auf dem Grund des Meeres. Normalerweise auch die Füße, die natürlich irgendwann vom Rest des Beines abfallen, wenn die Bänder weg sind.

Stecken die Füße allerdings in Turnschuhen, wie es bei allen Vorkommnissen der Fall war, bleiben sie nicht auf dem Grund. Die luftgepolsterte Sohle holt sie nach oben und irgendwann landet der Fuß am Strand, der Rest bleibt im Meer. Nicht nur in Nordamerika, sondern beispielsweise auch in Australien. Einige Tote wurden auch identifiziert: So gibt es beispielsweise schlicht Selbstmörder, die von Brücken sprangen und vom Fluss in den Ozean getrieben wurden.

© 2011 hedrik.de Suffusion theme by Sayontan Sinha