Manchmal hat man ja das Gefühl, dass irgendeine Tendenz in der Berichterstattung störend wirkt. Dann muss man eigentlich nur warten, bis es jemand auf den Punkt bring. Das hat man jetzt bei der ‘Welt‘ geschafft.

Nach dem Aussetzen der russischen Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation fürchten die USA im Falle einer möglichen Evakuierung den Verlust der ISS.

Der Satz klingt gewöhnlich, bringt es aber recht gut auf den Punkt. Die Aufmerksamkeit der westlichen Medien liegt, wenn es um Raumfahrt geht, erstmal bei der NASA. Unterschwellig entsteht so immer der Eindruck, die USA hätte den wesentlichen Anteil an der ISS, während der russische Partner irgendwie mit dranhängt und aktuell dummerweise als einziger bemannte Flüge zur Station durchführen kann – denn das Shuttle-Programm ist ja beendet. Dazu kommen dann halt noch die ESA, Kanada und Japan als kleine Junior-Partner.

Die Realität sieht aber anders aus. Russland hat 50 Prozent Anteil an der Station. Die USA hatte ursprünglich genauso viel, holte dann aber aus Kostengründen noch andere Länder und Organisationen mit ins Boot. Bei einer angenommenen Standard-Besatzung von sechs Personen haben die Russen daher immer das Recht, drei Plätze zu besetzen, während sich die USA drei Plätze mit den anderen Partnern teilen muss. So gesehen wäre es bei einer ungefärbten Berichterstattung eigentlich gegeben, erstmal in Russland nachzufragen, ob man sich da Sorgen macht.

Wer tiefer in das Thema ISS einsteigen will, dem sei hiermit die Folge des Raumzeit-Podcasts zu “Raumstationen” empfohlen.

 

An dieser Stelle kommt keine Boulevard-Geschichte, sondern eine Empfehlung. Jörg Kachelmann liefert Wetterberichte auf YouTube, aber nicht nur das. Es kommen immer wieder auch Hintergrundgeschichten – Wissenschaft erklärt sozusagen. Ruhig mal anschauen, da werdet ihr nicht dümmer von.

 

Der ‘Spiegel‘ hat ein physikalisch etwas seltsames Phänomen ausfindig gemacht: “Im Ozean vor der US-Ostküste erstreckt sich nun eine gigantische Fläche kalten Wassers. Der Hurrikan hat dem Meer Wärme entzogen – und als Treibstoff genutzt.” Nachdem sich der Hurrikan also in der warmen Kribik aufbaute, wie ja ganz treffend beschrieben, wandert er los und entzieht dem Wasser unterwegs gewaltige Mengen Energie. Die Frage wäre, warum er dann immer schwächer wird, wenn doch ständig Treibstoff nachgefüllt wird auf so magische Weise. Und auch, was da den Energie-Staubsauger spielen soll.

Aber wie so oft gibt es eine verblüffend einfache Erklärung, die Metorologe Jörg Kachelmann soeben auf Twitter kund tat: “Nein, es ist nicht so, dass der böse Hurrikan dem Ozean einfach das warme Wasser wegnimmt und dann ein Kälteloch kommt. Es kennt jeder aus jedem kleinen See: Die dünne warme Obenflächenhaut wird bei Wind und Wellen umgerührt und kaltes Tiefenwasser kommt hoch.” Stimmt schon, manche Dinge könnte die Wissenschaft einfach mal für sich behalten und uns staunend stehen lassen. ;)

 

Es gibt in der deutschen Presselandschaft ja so einiges Seltsames. Da seien die typische Agenda oder auch krampfhafte Kritik. Aber es gibt auch grenzenlose Naivität, wie dieses Beispiel aus der ‘Zeit’ zeigt. Jan Roß schafft es tatsächlich, sich in einem Absatz komplett selbst zu disqualifizieren:

Viele haben gefürchtet, dass die Unterstützung der Nato die Gadhafi-Gegner unglaubwürdig machen und zu Lakaien des Westens stempeln würde. Davon kann keine Rede sein. Niemand hat den Libyern ihre Revolution gestohlen. Sie sind (mitsamt dem bisweilen entnervenden Chaos im »Übergangsrat« in Bengasi) Herren ihres eigenen Schicksals geblieben. Wenn sie eines Tages in einem besseren Libyen leben, werden sie sich der fremden Hilfe dankbar erinnern, aber frei von fremder Bevormundung sein.

Letztlich geht es doch nur um “humanitäre Interventionen”. Ein gutes Beispiel dafür, wie man Kriege unter Rot-Grün vor Nichtdenkern rechtfertigt und die NATO zum Friedensbringer macht. Keine Ahnung, ob das Dummheit oder böser Plan ist. Ich befürchte ja Ersteres.

 

Anatol Stefanowitsch hat sich im Sprachlog am Beispiel der aktuellen Geo-Debatte mit den Sprachregelungen auseinandergesetzt, mit denen versucht wird, Esoterik gegen Wissenschaft in Stellung zu bringen. Durchaus Lesenswert, weil es mal ein Stück in die Metaebene geht. Das muss man schonmal tun, weil man sich sonst damit aufreibt, immer nur gegen das Ausblenden der Realität im Konkreten anzurennen.

 

Pfarrer Fliege versucht, seine Vermarktung einer komischen Esoterik-Tinktur zu rechtfertigen. Jutta Ditfurth ist angesichts des offensichtlichen Blödsinns und der umfassenden Merkfreiheit sichtlich fassungslos. Unterhaltsames Popcorn-Kino.

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