Neptun hatte so etwas wie seinen Jahrestag. Also nicht der griechische Gott, sondern der nach ihm benannte Planet. Dieser vollendete gestern seinen ersten kompletten Umlauf um die Sonne, seit er am 24. September 1846 entdeckt wurde. Fast 165 Jahre dauert also ein Neptun-Jahr. Der blaue Eisriese ist der äußerste (sorry Pluto-Fans) und viertgrößte Planet unseres Sonnensystems. Seine wohl größte Absonderlichkeit ist sein größter Mond, der Triton. Dieser umkreist Neptun als einziges bekanntes Objekt seiner Art entgegen der Rotationsrichtung seines Planeten. (Dank an Jörg)

Neptun

Neptun aufgenommen von Voyager 2 (NASA)

 

Die ESA ist mal wieder ganz groß. Die Kamera für die Gaia-Mission ist fertig. Wenn diese erfolgreich ist, erhalten wir ein dreidimensionales Foto der Milchstraße. Und das wird wohl alles übertreffen, was wir bisher an Bildern aus dem All bekommen haben: Das menschliche Auge kann immerhin einige tausend Sterne am Himmel sehen. Gaia hingegen ist so lichtsensibel, dass es einige Milliarden Aufnehmen kann.

106 Bildsensoren wurden jetzt fertig zusammengesetzt. Zusammen bringen sie es auf eine Auflösung von einem rund Gigapixel. Gaia soll 2013 zur seinem “Aussichtspunkt” fliegen. Dabei handelt es sich um den L2 Lagrange-Punkt. Von der Sonne aus gesehen also eine Region rund 1,5 Millionen Kilometer hinter der Erde, wo sich die umliegenden Gravitationskräfte sich ausgleichen.

 

Ich bin bekennender Informations-Nerd. Deshalb ist der Speicher meines iPhones auch regelmäßig durch Podcasts überfüllt. Praktisch jeder Zeitraum, in dem ich ohnehin nicht direkt mit anderen Leuten in Kontakt stehe oder mein Denken auf eine Sache konzentrieren muss, wird genutzt, um zuzuhören, was all die aktiven Leute zu ins Netz brabbeln. Auf dem Fahrrad, beim Einkaufen, beim Abwaschen lasse ich mir mehr oder weniger interessante Sachen erzählen. Radio, wie es eigentlich immer sein sollte.

Und da ich ja – wie erwähnt – einen gewissen Raumfahrt-Fetisch habe, ist natürlich “Raumzeit” mein absoluter Favorit. Euch sei hiermit eine dringende Hörempfehlung gegeben. Wenn ihr schon immer wissen wolltet, was der Unterschied zwischen russischem und amerikanischem Wasser ist, wie man an der Erde vorbeifällt, warum es sinnvoll sein kann, Asteroiden anzumalen und natürlich vor allem, wie man denn nun eigentlich Astronaut wird, dann solltet ihr fleißig zuhören. Da werdet ihr nicht dümmer von.

Raumzeit wird moderiert von Tim Pritlove, dem wohl aktivsten deutschen Podcast-Produzenten, und entsteht in einer Kooperation zwischen ESA und DLR.

Raumzeit-Podcast

 

Die praktische Forschung bringt ja immer wieder tolle Sachen hervor. Aktuell wurde von zwei Sachen berichtet:

Einmal haben Leute an der University of Georgia eine Imprägnierung für Kleidung gemixt. Diese soll dafür sorgen, dass sich in dem Gewebe keine Mikroorganismen mehr vermehren können. Eigentlich gedacht für die Anwendung im medizinischen Bereich. Aber das würde ja im Sommer auch ganz gut verhindern, dass man nach einem Tag im heißen Büro komisch riecht. Das Zeug soll auch nach mehrmaligem Waschen noch wirksam sein. (BBC)

Die zweite Sache ist ein Osmose-Beutel, der während der aktuellen Shuttle-Mission getestet werden soll. Bei dem System pinkelt man in den inneren Beutel, der gleichzeitig die Membran darstellt. Durch die sickert dann nur das Gute im Urin und nach ein paar Stunden soll im äußeren Beutel ein fertiger isotonischer Durstlöscher zur Verfügung stehen. (Wired)

 

Menschen bauen zu den unterschiedlichsten Sachen emotionale Bindungen auf. Bei manchen ist es ein gutes Buch, bei anderen ein altes Auto oder auch eine Küste in der Bretagne. Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Trennung unvermeidlich wird. Solch ein Tag ist heute für mich gekommen.

Zum letzten Mal hob nun ein Space-Shuttle von seinem Launch-Pad ab. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich irgendwann in den Achtzigern das erste Mal eines dieser Raumfahrzeuge sah, in seiner majestätischen Kombination aus Eleganz und Kraft. Für mich gibt es nichts beeindruckenderes, was die Menschheit je gebaut hätte.

Entsprechend schmerzlich waren natürlich auch jene Augenblicke, in denen die beiden größten Katastrophen geschahen. 1986 war es – den jungen Jahren geschuldet – eher ein erschrockenes Gefühl, als die soeben gestartete Challenger in einer Rauchwolke verging. Bilder, die noch lange eingebrannt waren. Das Ende der Columbia 2003 schockierte mich dann ehrlich gesagt stärker als die Terroranschläge zwei Jahre zuvor. Wie es halt vorkommt.

Atlantis-Start
Der letzte Start der Atlantis

Letztlich fand man sich aber damit ab, dass der Vorstoß ins All eben immer noch keine Routine ist, sondern dort Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen, die beseelt von der Wissenschaft sind. Eine Avantgarde. Vielleicht sogar so etwas wie Helden.

Nun gehen die Shuttles also in Rente. 30 Jahre lang flogen sie 135 Missionen. Sie waren das Rückgrat der NASA-Aktivitäten. Ohne sie gebe es wohl keines dieser wundervollen Hubble-Bilder aus den tiefen des Alls. Fraglich ist auch, ob die ISS in ihrer heutigen Leistungsfähigkeit hätte entstehen können. Tiefster Respekt jenen, die in all den Jahren ihr Herzblut in das Shuttle-Programm steckten. Der Atlantis also viel Erfolg auf ihrem letzten Flug. Es war eine tolle Zeit.

 

Smartphones gelten ja seit einiger Zeit als “neuartige Rundfunkgeräte”. Der Besitzer ist also – falls man nicht schon für einen Fernseher zahlt – verpflichtet, Rundfunkgebühren zu entrichten. Mit dem so eingesammelten Geld produzieren die öffentlich-rechtlichen Anstalten dann Inhalte, die die Grundversorgung abdecken. Angesichts dessen, wie sich die inhaltliche Ausrichtung der privatwirtschaftlich finanzierten entwickelt, ist dieses Modell ein Segen.

Geht es allerdings nach den Zeitungsverlegern, sollen Smartphone-Besitzer die bereits finanzierten Inhalte auf ihrem Gerät nur möglichst umständlich ansehen können. Einige Verlage haben deshalb eine Klage gegen die Tageschau-App eingereicht. Diese soll möglichst wieder in der Versenkung verschwinden.

Bisher wurde das immer wieder damit begründet, dass in der App zuviel Text ist und nur ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, nicht aber eine öffentlich-rechtliche Presse existieren soll. Die Klage mutete etwas seltsam an, weil in der App ja nichts anderes steht, als auf der Webseite der Tagesschau auch, gegen die die Verlage bisher aber nicht vorgegangen sind.

Es ist daher ausgesprochen nett, dass Dietmar Wolff, Chef des Verleger-Verbandes VZBV nun mal Klartext redet. Es geht ausschließlich darum, dass die Verlage mit Smartphone-Apps nun endlich wieder etwas in der Hand haben, wofür die Nutzer bereit sind, zu zahlen. Daher seien kostenlose Angebote wie die Tagesschau-App “die Killer für ein digitales Geschäftsmodell der Presse”.

Die Verlage sind also jahrelang schlicht unfähig, ein tragfähiges Geschäftsmodell auf Basis des Internets aufzubauen. Das wurde stets auf die angebliche Gratis-Kultur im Netz geschoben – ein Argument, dass in Zeiten, in denen die ersten Blogger und Podcaster sogar von freiwilligen Spenden ihrer Leser und Zuhörer halbwegs leben können, seltsam anmutet.

Und als sich dann endlich mal jemand erbarmte und den Verlagen etwas vorsetzte, mit dem man Geld verdienen kann, stürzen sie sich drauf und fangen an, um sich zu beißen, damit sie es ganz für sich allein haben. Das hat das gleiche Niveau, wie die Forderungen nach dem Leistungsschutzrecht, auf die Mario Sixtus ja schon die treffende Antwort gegeben hat: “Ihr seid ohne Einladung auf diese Party gekommen. Das ist okay, ihr könnt gerne ein wenig mitfeiern. Prost! Aber wisst ihr, was gar nicht geht? Dass ihr jetzt von den anderen Gästen hier Geld kassieren wollt.

 

Soll die Politik Facebook-Partys verbieten? “Schwachsinn”, sagt die Piratenpartei. Und sie ist nicht allein.

Schreibt der ‘Tagesspiegel‘. Und Recht hat er. Was soll das denn auch? Genauso blödsinnig wie ein Verbot von Hauswand-Fotos.

„In Berlin haben wir dieses Phänomen nicht“, sagte Nicola Rothermel-Paris, Sprecherin von Innensenator Ehrhart Körting (SPD)

Ach nee. Wozu auch? Wenn einem hier langweilig ist, weiß man doch, wo man nicht alleine ist. Aber in Schleswig-Holstein gibt es halt keine Admiralsbrücke oder so. Meine Güte…wie wärs denn mal mit ein bisschen nachdenken. Aber verbieten fetzt ja immer erstmal. Klappt ja auch immer super. Müsste nur mal jemand langsam auch Filesharing verbieten z.B. … m(

 

Aus der Reihe (hier aktuell eher metaphorisch) gefühlte Thesen wissenschaftlich untermauert: Die Mädels machen beim Fußball deutlich weniger Theater:

Frauen, das schwache Geschlecht? Beim Fußball sicher nicht. Forscher haben Dutzende Bundesliga- und WM-Spiele analysiert. Das Ergebnis: Nach Fouls sind Spielerinnen sehr viel schneller wieder auf den Beinen – und machen auch sonst weniger Show auf dem Platz.

Schreibt der ‘Spiegel‘. Was sich ja beim gestrigen Spiel Deutschland vs. Nigeria super gezeigt hat. Es gab zwar ordentlich auf die Socken, aber kaum Gejammer.

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