Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder kann man wohl langsam wirklich als wissenschaftliche Einrichtung abschreiben. Da gab es in der Vergangenheit ja schon einiges an Seltsamkeiten. Jetzt kann man da aber mit Esoterik-Schwurbeleien einen Master-Abschluss bekommen.

Esoterischer Unfug, den ein Professor, der halbwegs bei Sinnen ist, allenfalls mit einer Gnaden-Vier bewerten würde? Keineswegs – meint jedenfalls das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, an dem die Arbeit entstanden ist, und lobt sie in einem Newsletter als hervorragend.

So berichtet der ‘Spiegel‘. Es geht in der fraglichen Masterarbeit um Kontakt zu Außerirdischen und Verstorbenen sowie das Hellsehen und wie sie durch den Kozyrev-Spiegel unterstützt werden. ‘Esowatch‘ hat da eine recht gute Übersicht – auch darüber, wie allergisch die Unterstützer dieses Unsinns auf die Kritiken reagieren. Die GWUP verleiht der Uni gleich mal den Beinamen “Hogwarts an der Oder”…sehr treffend.

 

Die New Yorker Schulbehörde kümmert sich darum, dass Kinder möglichst gut in Watte gepackt werden. Keinesfalls sollen sie mit irgendetwas konfrontiert werden, was nicht in ein flauschiges Weltbild passt oder gar ihrer Religion widerspricht. Entsprechend gibt es eine Liste, welche Themen Verlage von Arbeits- und Test-Unterlagen nicht thematisieren sollen.

So dürfen beispielsweise keine Aufgaben gestellt werden, in denen Dinosaurier vorkommen. Hier sieht man offenbar drohende Konflikte mit fundamentalistischen Christen. Entsprechend meidet man auch Feiertage mit religiösem Hintergrund – angefangen beim satanistisch angehauchten Helloween bis sogar hin zu Weihnachten. Sogar Geburtstage sollen ausgeklammert werden, weil diese von den Zeugen Jehovas nicht gefeiert werden.

Aber auch sonst will man den Kindern keine Konfrontation mit Problemen zumuten. Auf der Blacklist tauchen auch Computer im Haushalt und Swimming Pools im Garten auf – denn das könnte Kinder aus ärmeren Familien missmutig machen. Ansonsten kommen natürlich Themen wie Krankheiten, Behinderungen, Scheidungen, Kriminalität usw. vor. Eine komplette Liste gibt es bei der ‘New York Post‘.

Keine Ahnung, was hinter so etwas für ein Menschen- und Gesellschaftsbild steht. Allerdings dürfte es nicht gerade dazu beitragen, Heranwachsende zu starken, selbstbewussten Menschen zu machen, wenn man ihnen möglichst jeden Konflikt in der großen bösen Welt vorenthält.

 

Die Spitzenpolitik hat es heute erneut verbockt. Und ich bin einmal mehr enttäuscht. Dabei ging es gar nicht um das übliche Hickhack, bei dem man ohnehin nichts mehr erwartet. Sondern schlicht um eine ganz einfache Regelung, von der tausende Menschenleben abhängen: Die Frage, wer Organspender ist.

Bisher läuft die Sache so, dass man freiwillig Organspender werden kann. Das heißt: Wenn man stirbt, erteilt man über eine Einwilligungserklärung die Erlaubnis, dass noch brauchbare Nieren, Herzen oder anderes an Bedürftige weitergegeben werden. Dafür muss man aber bewusst selbst aktiv werden und sich einen Organspendeausweis ausdrucken und den dann möglichst in der Geldbörse aufbewahren.

Die grundsätzlich bessere Lösung wäre hingegen ein Opt-out-Verfahren: Jeder, der sich nicht ausdrücklich dagegen ausspricht – wir nehmen ja Rücksicht auf etwaige religiöse Befindlichkeiten – ist Organspender. Punkt. Das würde die Hürden verschieben. Umfragen ergeben, dass ohnehin 70 Prozent der Bevölkerung im Grunde dazu bereit sind, nach ihrem Tod Spender zu sein. Trotzdem sinken die Spenderzahlen. Einfach weil viele zu bequem oder vergesslich sind, sich einen Ausweis auszudrucken und auszufüllen.

Der nun zwischen Regierung, Regierungsfraktion und Opposition ausgehandelte Weg ist aber mal wieder das Blödeste, was passieren konnte. An der bisherigen Regelung ändert sich gar nichts. Statt dessen sollen alle Bürger regelmäßig angeschrieben und gefragt werden, ob sie nicht doch einen Spenderausweis ausfüllen wollen. Das kann die Zahlen vielleicht etwas verbessern, löst aber vermutlich nicht wirklich grundlegend das Problem – denn Post, bei der es egal ist, wie man mit ihr umgeht, landet früher oder später ohnehin im Müll. Mittelfristig werden also weiterhin jene Organspender sein, die sich bewusst dafür entscheiden, entsprechend aktiv zu werden.

Also haben wir weiterhin viele Kranke, die auf den Wartelisten stehen – und zu einem guten Anteil einfach sterben werden. Etwa 12.000 sind es derzeit. Begründet wird die jetzige Entscheidung mit der Phrase “Kein Zwang”. Aber sorry, dass ist Bullshit! Es würde niemand zu etwas gezwungen, was ihm zu dem Zeitpunkt, an dem es passiert, in irgendeiner Form interessieren würde. Denn da ist man bereits tot. Und ob man nun mit einer Niere mehr oder weniger verbuddelt oder verbrannt wird, ist dann auch Wurst.

Wer sich einen Organspendeausweis zulegen oder sich weitergehend informieren möchte, bitte hier entlang.

 

Florian Freistetter ist Astronom, Wissenschaftsautor und als Blogger der Betreiber des Science-Blogs “Astrodicticum Simplex“. Dort hat er schon des Öfteren auch etwas zu den kruden Weltuntergangsthesen für das Jahresende 2012 geschrieben. Jetzt hat er das alles und noch einiges mehr in einem Buch zusammengefasst.

“2012 – Keine Panik” heißt es und behandelt umfassend alle Aspekte, die in diesem Thema stecken. Der Leser erfährt beispielsweise, warum der 21.12.2012 keineswegs das Ende des Maya-Kalenders ist, sondern nur ein besonderes Silvester, warum es keinen Planet X gibt, der der Erde zu nahe kommt, und dieser schon gar nicht mit seltsamen Aliens bevölkert ist oder auch, warum die Sonnenstürme weder die Erde umkippen noch unser Bewusstsein anheben.

Freistetter erklärt all diese Sachen wissenschaftlich fundiert, trotzdem aber auf eine Art, dass auch der Laie sie problemlos verstehen und nachvollziehen kann. Nebenher bekommt man auch gleich noch einen guten Einblick, wie wissenschaftliches Denken funktioniert.

Der Autor entlarvt die Profitmaschine, die hinter der Weltuntergangs-Hysterie steht – von Roland Emmerichs Katastrophenfilm bis hin zu den alten Geistern der Szene: Denn natürlich ist auch Erich von Däniken schwer damit beschäftigt, mit seinem üblichen Geschwurbel ordentlich zu verdienen. Dessen Tipp, wie man sich am besten auf das Jahresende vorbereiten kann, liegt natürlich in einer Kaufempfehlung für sein eigenes Buch. Ich empfehle hingegen ohne Einschränkungen jenes von Freistetter. Es wird zum Preis von freundlichen 2,99 Euro für die Kindle-Plattform angeboten und kann somit auf den E-Book-Readern von Amazon oder die entsprechende Reader-Software am Rechner oder auf dem Smartphone gelesen werden.

 

Die ‘Zeit’ hat ein Porträt über Edzard Ernst veröffentlicht.

Prinz Charles könnte der nächste König Großbritanniens werden, er ist ein Anhänger der Homöopathie und hat eine Firma, die vor zwei Jahren Tropfen auf Artischockenbasis zur vermeintlichen Entgiftung des Körpers auf den Markt gebracht hat. Edzard Ernst ist Professor für Alternativmedizin an der University of Exeter und erforscht Nutzen und Risiken alternativer Heilmethoden, er hat die Artischockentropfen als Quacksalberei bezeichnet und den Prinzen einen Schlangenöl-Verkäufer genannt. Es war der Höhepunkt einer Fehde, zu der Prinz Charles sich nie öffentlich äußerte. Glaubt man Ernst, hat Charles jedoch alles darangesetzt, den Professor zum Schweigen zu bringen.

Eine durchaus erquickliche Lektüre über einen der wohl hartnäckigsten Aufklärer unserer Zeit, der sich mit dem Denken eine überflüssigen Herrschaftshauses anlegt. Ich empfehle sehr, dies zu lesen. Und für mehr grundsätzliches, was das Entscheidende in der wissenschaftlichen Methode angeht, sei an dieser Stelle die schon etwas ältere Ausgabe des Elementarfragen-Podcasts mit Harald Lesch empfohlen.

 

An der Technischen Universität Dresden kann man allerlei interessante Dinge lernen. Das ist durchaus nicht nur auf Naturwissenschaft und Technik beschränkt, sondern zieht auch es gibt auch Links zu Geisteswissenschaften und so. Das ist ganz gut so, denn es war ja auch eine Lehre aus der Nazi-Zeit, dass reine Fachidioten, die nicht über den Tellerrand blicken, nicht erstrebenswert sind. Was mir dann aber doch zu weit geht, wenn an einem Ort der Wissenschaft Dinge als wissenschaftlicher Stoff gelehrt werden, die bisher eben noch keiner wissenschaftlichen Untersuchung auch nur im Ansatz standhalten konnten. Und damit fängt die TU Dresden nun offenbar auch an.

“Die Seminarteilnehmer sollen ein Verständnis der Methode der klassischen Homöopathie zur Selbstbehandlung in Akut- und Notfällen zu erlangen”, heißt es in der Werbung für eine Lehrveranstaltung (Seite 18). Hallo? Es ist ja wohl eine Sache, mit Zuckerkügelchen, die nachweisbar keinerlei Wirkung haben, einen Schnupfen zu behandeln. Der dauert ohnehin so lange er eben dauert. Meinetwegen auch psychosomatische Zipperlein. Aber Akut- und Notfällen mit Scharlatanerie beizukommen, ist wohl keine besonders prickelnde Idee. Und das auch noch als Wissenschaft zu verkaufen erst recht nicht! Continue reading »

 

Jetzt wird die Wahrheit ja bald ans Licht kommen. Dass die Bundesregierung nämlich schon lange von UFOs weiß. Und vermutlich, dass längst Außerirdische mitten unter uns leben. Und hin und wieder Doktorarbeiten fälschen oder etwas in der Art. ;)

Zumindest hat jetzt das Verwaltungsgericht Berlin entschieden (Aktenzeichen VG 2 K 91.11), dass ein interessierter Berliner Einsicht in die vom Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages erstellte Ausarbeitung “Die Suche nach außerirdischem Leben und die Umsetzung der VN-Resolution A/33/426 zur Beobachtung unidentifizierter Flugobjekte und extraterrestrischen Lebensformen” nehmen darf. Der Bundestag prüft nun, ob man in Berufung geht. Warum man sich so sträubt ist unklar. Vielleicht ist es den Verantwortlichen nach guter deutscher Sitte einfach peinlich, bisher noch keinen Erfolg bei der Suche gehabt zu haben.

Auf den Seiten der Eso-Fraktion und dem, was da so im Dunstkreis dazugehört, wird das Urteil natürlich groß abgefeiert. Was etwas unter den Teppich gekehrt wird: In dem Verfahren geht es gar nicht darum, ob die deutsche Regierung “geheime UFO-Akten” offenlegen muss, sondern ob das Informationsfreiheitsgesetz nicht nur für Behörden, sondern eben auch für Dokumente gilt, die von Einrichtungen des Bundestages erstellt wurden. Denn der Wissenschaftliche Dienst nimmt mit seinen Papieren ja auch Einfluss auf die Politik. Genaueres beim Fachmann.

 

Mehrere Blogger aus dem englischsprachigen Raum haben in den letzten Wochen und Monaten Drohungen von einer angeblichen Krebs-Klinik in Texas erhalten. Angeblich würden sie diffamierende Inhalte verbreiten, die der “Burzynski Clinic” Schaden zufügen.

Die betroffenen Blogger gehören zum Umfeld der Skeptiker-Szene und betreiben unter anderem Aufklärungsarbeit hinsichtlich der fragwürdigen Methoden von Pseudo-Medizinern. Es handelt sich unter anderem um die Webseiten ‘Quackometer‘, die von Andy Lewis aus Oxford betrieben wird, und ‘Skeptical‘ von Rhys Morgan, einem Schüler aus Großbritannien. Continue reading »

 

In dieser Stadt spielen sich menschliche Dramen ab. Immer wieder. Der Ursachen und Gründe gibt es viele. Das neueste Beispiel: Ein Neugeborenes wurde offenbar kurz nach der Geburt aus dem fünften Stock in den Hinterhof geworfen – eingepackt in eine Mülltüte. Was genau geschehen ist, wird aktuell untersucht. Man kann spekulieren. War es Verzweiflung, eine psychische Störung des oder der Täter oder etwas noch viel Unerklärbares?

Man kann ein solches Ereignis aber auch nutzen, um seinem religiösem Wahn einfach freien Lauf zu lassen und die Tat im Sinne des eigenen Eifers relativieren. Die Fundamentalisten von ‘Kreuz.net – katholische Nachrichten‘ finden die Betroffenheit gegenüber dem Fall heuchlerisch. Denn: “In dem moralisch rückschrittlichen Deutschland wurden im Jahr 2010 mindestens 462 Kinder im alleine lebensfähigen Alter von Abtreibungsverbrechern legal ermordet.”

Sicher werden nun wieder einige Kuschelchristen sagen, dass das ja von einigen Verblendeten kommt. Das kann und will ich aber nicht gelten lassen. Es ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass die Werte unserer aktuellen Gesellschaft eben nicht aus dem Christentum kommen, sondern aus der Tradition des Humanismus und der Aufklärung. Daran hat sich die offizielle Kirche nur angepasst, um nicht unterzugehen. Das sollte man sich stets bewusst machen.

 

Das kommt ja wie gerufen. Für den Tag, an dem mir dann die Moral irgendwann weniger Wert ist als mein Konto, merke ich mir das hier mal vor: Der ‘Stern’ gibt “Starthilfe für Scharlatane” – sieben Punkte, die man beachten muss, um erfolgreicher Geistheiler oder irgendsowas zu werden. Made my day.

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