Ende letzter Woche ist das europäische Versorgungsschiff ATV an der Internationalen Raumstation ISS angekommen. Dabei entstand aus der ISS heraus dieses Bild, das Hollywood nicht besser hinbekommen hätte:

(Bild: NASA)

 

Die Exoplaneten-Forschung ist ja grad mal so richtig am Brodeln. Fast täglich gibt es neue Entdeckungen und manche davon sind mal so richtig schön aufregend. Der neueste Fall heißt “GJ 1214b“. Der Planet wurde schon 2009 mit Teleskopen auf der Erde entdeckt. Mit dem Hubble-Teleskop, das von der Erdumlaufbahn aus viel genauer hinschauen kann, wurden dann weitere Untersuchungen angestellt.

Und heraus kam, dass es sich um einen Planeten handelt, dessen Oberfläche und Athmosphäre vor allem aus Wasser besteht. Das bekommt man übrigens so raus: Erst analysiert man das Licht des Sterns. Über die Spektrallinien im Licht bekommt man heraus, aus welchen Stoffen dieser so besteht. Wenn der Planet im Transit – also beim Flug zwischen seinem Stern und dem Beobachter – ist, verändern sich die Spektrallinien ein klein wenig: Nämlich auf die Art, wie die Stoffe in der Atmosphäre das durchgehende Licht auf bestimmten Wellenlängen absorbieren. Diese Absorbtionmuster sind für jedes Element einzigartig.

Nun ist die Vorstellung eines Planeten, dessen Oberfläche vor allem aus Wasser besteht, vermutlich erst einmal nicht so exotisch. GJ 1214b ist aber 2,7 Mal so groß wie die Erde und die Masse ist sieben mal höher. Und wenn man mal an den Physikunterricht zurückdenkt, erinnert man sich, dass beispielsweise der Druck den Gefrier- und Siedepunkt von Wasser verändert. Hoher Druck führt beispielsweise dazu, dass Wasser nicht bei hundert Grad, sondern etwas heißer werden kann, bis es verdampft. Deswegen brauchen Sachen im Schnellkochtopf auch kürzer, bis sie fertig sind.

Die Bedingungen auf dem Planeten da sorgen also für Eigenschaften des Wassers, die unserer Alltagserfahrung völlig entgegenstehen. Genau weiß man es zwar noch nicht, aber es wäre denkbar, dass die Oberfläche aus 200 Grad heißem Eis besteht. Aber auch supraflüssiges Wasser könnte zu finden sein. (Bild: NASA)

 

Die ESA hatte heute einen großen Tag. Nach zehn Jahren Entwicklung startete heute die erste “Vega”, eine neue Rakete neben den “Ariane”-Launchern. Neben der Ariane 5 und der seit Kurzem auch bei der ESA startenden Sojus, gibt es nun eine vergleichsweise kleine Rakete. In dieser Klasse gibt es derzeit noch einige alte, umgebaute militärische Raketen für kleinere Missionen und in einigen Jahren wird Vega wohl die einzige Klasse dieser Größe sein, die für kommerzielle Projekte zur Verfügung steht.

Vega basiert auf Erfahrungen, die in Italien mit ballistischen Raketen aus den USA gemacht wurden. Hinzu kamen Technologien aus den Boostern der Ariane 5 und neue Materialien. Der neue Launcher soll die ESA in eine weltweit einzigartige Position bringen, so die Hoffnung.

An den Weltraumbahnhof in Kourou stellt Vega neue Herausforderungen. Dort müssen die Prozesse nun so gestaltet werden, dass die Startvorbereitungen für drei Startsysteme gleichzeitig laufen können. Vega besteht aus vier Stufen, die auch mehrere kleinere Satelliten auf verschiedene Umlaufbahnen bringen können. Die Rakete ist 30 Meter hoch und wiegt beim Start 137 Tonnen. Insgesamt können 2,5 Tonnen Nutzlast mitgenommen werden.

Und da es ein etwas kleineres System ist, geht die beim Start ziemlich flink ab. Beim erster Flug, der in erster Linie einer Reihe von Tests diente, wurden mehrere kleinere Satelliten mit in den Orbit gebracht, die vor allem verschiedenen Universitäten Experimente im All ermöglichen. Viel interessantes dazu und natürlich den ersten Flug der Vega gibt es in einem Video.

 

Im ‘Spiegel‘ gab es dann heute mal richtig gute Nachrichten: Die Bundesregierung will in der Raumfahrt zukünftig auch mit China zusammenarbeiten. Angesichts der knappen Kassen bei den bisherigen Partnern im Grunde ein logischer Schritt.

“Die Chinesen haben große Ambitionen und verfügen über so riesige Mittel, dass wir in Bereichen wie der bemannten Raumfahrt gar nicht mithalten können”, sagte Peter Hintze, der Raumfahrtbeauftragte der Bundesregierung. Die Konsequenz müsse sein, “die Kooperation zu suchen”.

Und zumindest in diesem Bereich scheinen ja endlich Köpfe am Werk zu sein, die nicht mehr in den Kategorien des Kalten Krieges denken:

Während die Amerikaner es ablehnen, China Zugang zur Internationalen Raumstation ISS zu gewähren, sieht Hintze dies als sinnvoll an. Bei der wissenschaftlichen Erkundung des Mondes und des Sonnensystems sei die chinesische Raumfahrtoffensive “eine Bereicherung”, sagte er. (…) Im Gegensatz zu Deutschland sind die USA sehr auf Abgrenzung zur neuen Weltraummacht China bedacht. “Wir sollten nicht in die gefährliche Rhetorik eines neuen Kalten Kriegs im Weltraum verfallen”, warnt der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Johann-Dietrich Wörner.

Aber so ein kleines Ding kommt ja doch noch:

Hintze würde die Chinesen am liebsten auch für eine Zusammenarbeit beim Navigationssystem Galileo gewinnen.

Klar. Das ist von der Sache her auch sinnvoll. Aber hier spielt vermutlich auch die Tatsache eine Rolle, dass Galileo für Europa wohl nie eine gewinnbringende Sache sein wird, sondern ein heftiges Zuschussgeschäft. Was ja aber auch ok ist. Immerhin ist das eine nicht ganz unwichtige Infrastruktur-Maßnahme. Straßen sind ja auch nicht gerade ein profitabler Bereich.

Und in eigener Sache: Für den hundertsten Beitrag in diesem Blog ist es doch auch schön, ein Thema zu haben, dass unsere Wissenschaftsgemeinde letztlich hoffentlich bereichern wird. :)

 

Aber kommen wir mal zu den eigentlich wichtigen Nachrichten: Die russische Weltraumagentur Roscosmos ist hat mit der NASA und der ESA Gespräche über den Aufbau einer permantenten bemannten Basis auf dem Mond begonnen. Optional wäre auch eine Raumstation im Orbit. “Wir wollen nicht, dass der Mensch nur einen Schritt auf dem Mond macht”, sagte Roscosmos-Chef Vladimir Popovkin.

Und die Russen sind schon am arbeiten. Die Entwicklung eines Transportsystems, so wie es heute die Sojus für die ISS darstellt, läuft bereits. 2020 sollen die ersten Vorbereitungsmissionen starten können. Na dann: GO!

 

Leonid Ksanfomaliti von der russischen Akademie der Wissenschaften hat da wohl mal einen Artikel im Magazin ‘Astronomicheskii vestnik‘ (Die Richtige? Den Originalartikel hab ich online nicht gefunden.) veröffentlich, in dem er behauptet, Hinweise auf Leben auf der Venus gefunden zu haben. Er hat sich da noch einmal die Fotos von den russischen Venus-Missionen, bei denen ja einige Landeeinheiten durchaus eine Weile an der Oberfläche Messungen vornehmen konnten, in Ruhe durchgesehen.

Dabei will er nun verschiedene Objekte entdeckt haben, die auf den Bildern auftauchen, sich bewegen und wieder verschwinden. Von der Form her handelt es sich um Scheiben, andere schwarze Dinger und etwas, was aussieht, wie ein Skorpion.

Nun klingt das bei dem Menschen nicht um jemanden aus der typischen Bullshit-Ecke. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass der Planet nicht gerade Bedingungen bietet, die nach unseren Vorstellungen Leben ermöglichen könnten. Immerhin besteht die Atmosphäre vor allem aus Kohlendioxid – was ja noch nicht so schlimm wäre – aber es ist an der Oberfläche über 450 Grad warm und der Druck ist so hoch, dass die Landung der Sonden quasi erst dann halbwegs glückte, als man sie so konstruierte, wie die U-Boote, die hier in die Tiefsee tauchen. Aber wer weiß schon, was da draußen letztlich für Überraschungen warten…

 

So, zurück aus der Weihnachts- und Jahresend-Ruhe. Das klingt ja durchaus spannend: Die Bloggerin Lana Sator berichtet, dass sie problemlos in den Konstruktions-Komplex der Sojus-Raketen spazieren konnte. Es gibt eine Menge Fotos und so. Security-Leute gab es wohl nicht, nur Löcher im Zaun und Hunde, die sich nicht für sie interessierten. Daneben eine Reihe von dem, was man sich so an Industrie in der Gegend vorstellt.

Wenn das alles so echt ist, wirkt das schon krass. Das hieße im Grunde, dass die Russen mit ihrem angeblich maroden Kram immer noch mehr auf die Reihe bekommen, als der Westen so mit seinen High-End-Geschichten. Würde mich, ehrlich gesagt, nicht unbedingt wundern, so wie ich einiges kennenlernte.

 

Oh, das ist ja fast untergegangen und war auch gar nicht so präsent: Da wurde gerade ein ziemlich einzigartiges Ereignis beobachtet. Der Komet Lovejoy machte seinem Namen alle Ehre und hat die Sonne geküsst. Entgegen aller Erwartungen hat er das sogar überlebt.

Der Komet wurde erst am 2. Dezember von einem Amateurastronomen entdeckt. Als man Klarheit über die Flugbahn bekam, wurde so einiges in Bewegung gesetzt. Gleich fünf Satelliten der NASA und der ESA wurden zur Beobachtung abgestellt. Denn die Flugbahn zeigte ein Stück weit in die Atmosphäre der Sonne hinein. Man schätzte den Kometenkern auf eine Größe von 100 bis 150 Meter und es war wohl im Grunde allen klar, dass dieser in der Gluthölle einfach schmelzen und vergehen würde.

Allerdings kam der Komet dann plötzlich wieder auf der anderen Seite der Sonne heraus. Er war also wohl doch ein gutes Stück größer und ein Teil hat den Flug überstanden. Vermutlich kam ihm dabei noch zugute, dass er von einer Plasma-Welle abgeprallt ist oder der Kurs sich durch einen magnetischen Sturm etwas veränderte. Jetzt fliegt Lovejoy wieder von der Sonne weg und wird wohl noch kurzzeitig zu sehen sein. Na dann, gute Reise…

 

Gemeinhin ist davon die Rede, dass die Oberfläche des Mondes keinen Veränderungen unterliegt – wenn nicht gerade ein Meteorit einen neuen Krater schlägt. Denn die von der Erde bekannte Erosion gibt es nicht, da ja keine Atmosphäre mit Wind und Regen vorhanden ist. Nun stellt sich aber heraus, dass das so nicht ganz stimmt.

Sputtern wird der Prozess genannt. Und dieser wirkt wie ein feiner Sandstrahl. Sonnenstürme schießen sehr schnelle Partikel durch das Weltall und vor allem die vergleichsweise schweren Helium-Ionen schlagen Atom für Atom winzige Stückchen aus der Mondoberfläche. An nur zwei Tagen kann der Mond so immerhin 200 Tonnen Material verlieren, hat man bei der NASA in Simulationen ausgerechnet. 2013 soll die Mondsonde “Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer” (LADEE) genaueres herausfinden. (Wissenschaft aktuell)

(Bild: NASA)

 

Unter dem Titel “NASA-Studie: Tausende Asteroiden gefährden die Erde” bereitet uns heute zur Abwechslung mal die AFP auf den nahenden Weltuntergang vor. In dem Bericht geht es um das NASA-Projekt “Spaceguard”, das die Katalogisierung und Beobachtung von Asteroiden zum Ziel hat, die der Erde nahe kommen könnten.

Rund tausend große Brummer sind nun in den Datenbanken enthalten, hinzu kommen natürlich noch recht viele kleinere, die durchaus auch Schäden anrichten könnten, wenn sie auf die Erde fallen. Und da ist eben dieses Wörtchen “wenn”. Die Wahrscheinlichkeit ist eben nicht gerade besonders hoch. Zwar klingen tausend Stück recht viel. Eines von ihnen müsste aber zufällig genau dann die 900 Millionen Kilometer lange Erdbahn kreuzen, wenn sich unsere kleine Kugel in ihrem Einjährigen Umlauf zufällig auch gerade an dieser Stelle befindet. Letztlich ist das eben sehr unwahrscheinlich.

Außerdem sind die Bahnen der Asteroiden bekannt und können sehr genau berechnet werden. Das zeigte sich ja gerade kürzlich, als von den Astronomen nichtmal jemand in Aufregung verfiel, als ein Asteroid deutlich innerhalb der Mondbahn an der Erde vorbeiflog. Sollte es wirklich mal gefährlich werden, ist mit ziemlicher Sicherheit auch noch genug Zeit, um Gegenmaßnahmen zu treffen. Und nein, da fliegen dann keine smarten Jungs mit einer Atombombe hin. Das Ding wird dann vielleicht eher einfach weiß angemalt. Doch dazu mal später. Oder ihr hört euch die Raumzeit-Folge “Asteroiden und Kometen” an.

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