Ihr wisst ja, dass es keine Freude ist, aufzuwachen, wenn es um einen herum kalt und dunkel ist – und das dann noch an einem Montag. Wie muss es dann erst sein, wenn man 2,5 Jahre Tiefschlaf so beendet. Rosetta soll das am Montag hinbekommen.

Rosetta ist eine Raumsonden-Mission der ESA – und nicht irgendeine. Sie ist so etwas wie meine Referenz für den Wahnsinn, den die Wissenschaft so hinbekommt. Vieles klingt ja im ersten Moment entweder halbwegs trivial (“Ok, da fliegen die nächsten Leute zur Raumstation.”) oder abstrakt-trivial (“Aha, die haben ein Teleskop in den Weltraum geschossen.”). Das ändert sich jedes mal, wenn es um Rosetta geht: Hey, da wurde das Ding gestartet, es fliegt zehn Jahre und mehrere Milliarden Kilometer im Wesentlichen ohne Antrieb oder Lenkung durch die Gegend und holt einige Male bei verschiedenen Planeten Schwung. Und wenn dann im nächsten Herbst dieser eine Komet in die Gegend kommt, soll es dann knapp daneben und genauso schnell die gleiche Bahn haben, um einen Landeapparat abzusetzen.

Das hat bisher noch bei jedem Staunen ausgelöst. Zu Recht. Das folgende Video gibt euch vielleicht noch einen etwas näheren Eindruck, warum es sich lohnt, am Montag die Daumen zu drücken und aufzupassen.

 

Ein halbes Jahr ist es nun schon her, dass eine der großartigsten und verrücktesten Raumfahrtmissionen seit vielen Jahren in ihre entscheidende Phase ging. Hier noch einmal zum Genießen:

 

Eines der großen Themen der ESA ist aktuell der Merkur. 2015 wird “BepiColombo” starten, eine Mission zu dem sonnennächsten Planeten. Das ist ein ziemlich kompliziertes Unterfangen, wusste Rüdiger Jehn, Missionsplaner von der ESA, beim ILA-SpaceTweetUp zu berichten. Denn man hat mit der starken Gravitation der Sonne und den schnellen Umläufen des Merkur zu kämpfen. Deshalb hofft man, wenigstens einen halbwegs guten Orbit zu erreichen: Nah genug dran, damit man Bilder und Experimente machen kann, aber auch nicht zu dicht, weil man dann von Sonne und Merkur gleichzeitig gegrillt wird.

Über den Planeten weiß man noch vergleichsweise wenig, weil er durch seine Nähe zur Sonne schwer zu beobachten ist. Erst seit den 1960ern weiß man überhaupt Genaueres über die Rotation. Wie es im Inneren aussieht – nun, darüber ist man sich noch nicht ganz einig. Deshalb soll BepiColombo unter anderem erforschen, wie das Magnetfeld des Merkur beschaffen ist. Das verrät letztlich nämlich viel darüber, wie es unter der Oberfläche aussieht.

Wenn man sich schonmal auf den Weg macht, dann richtig: Es werden gleich zwei Satelliten mitgenommen, der Mercury Planetary Orbiter (MPO) soll dicht an Merkur ranfliegen und die Oberfläche aufnehmen, während der Mercury Magnetospheric Orbiter (MMO) weiter draußen das Magnetfeld ausmisst.

Der erste Satellite, der in die Nähe von Merkur kam, war Mariner 10 von der NASA Mitte der 1970er. Messenger lieferte dann 2008 und 2009 noch einige Daten. BepiColombo wird erst 2022 am Merkur ankommen, man muss sich also noch ordentlich gedulden, bis Daten hereinkommen. Diese sollen uns aber nicht nur mehr über den Markur selbst erzählen, sondern durchaus auch über die Erde. Denn die beteiligten Wissenschaftler erhoffen sich aus der Mission auch Erkenntnisse darüber, wie die inneren Planeten unseres Sonnensystems entstanden sind.

Eine Besonderheit beim Merkur, von der Jehn berichtete, ist der Lauf der Sonne, wenn man auf dem Merkur sitzen würde. Die geht im Grunde wie auf der Erde auf und irgendwann wieder unter – ein Merkur-Tag dauert über 58 Erdentage – zwischendrin bewegt sie sich allerdings ein Weilchen in die entgegengesetzte Richtung. Wenn man den richtigen Punkt findet, kann man sechs Tage lang immer wieder Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge beobachten. Merkur ist also ein bisschen romantisch.

 

Im aktuellen ‘Spiegel’ kommt Johann-Dietrich Wörner mit ein paar Interessanten Dingen um die Ecke. Von der technischen Seite her sind vor allem die Ideen für den europäischen Weltraumfrachter ATV spannend. Den will er möglichst als Servicemodul in das US-Raumschiff “Orion” integrieren. Klar, eine Orion ohne deutsche Beteiligung ginge schon kulturhistorisch nicht! ;)

Aber auch sonst. Orion wird von Lockheed Martin als eine Möglichkeit entwickelt, wie die NASA in absehbarer Zeit wieder selbst Menschen ins All bekommt. Wenn sich das ATV da ankoppeln ließe, wäre das wohl für alle von Vorteil. Es bräuchte etwas weniger Entwicklungs-Ressourcen in den USA und die hätten dann gleich was erprobtes. Und hier könnte man die Dinger in größeren Serien bauen und somit billiger machen. Wörner sagt dazu:

“Das ist eine Riesenchance, die uns auf dem Silbertablett geboten wird; wir müssen nur zugreifen!”, erklärt Wörner. “Wenn wir ja sagen, könnten wir bei künftigen bemannten Flügen jenseits des Erdorbits dabei sein – schließlich hat die Nasa angekündigt, mit dem Orion-Raumschiff Astronauten zum Mond oder sogar zu Asteroiden reisen zu lassen.”

Keine Ahnung, wie weit da schon Gespräche oder gar Planungen laufen. Vielleicht bekomme ich da ja Freitag mehr zu raus. Aber Wörner sieht da noch andere Möglichkeiten. Ein modifiziertes ATV könnte auch rumfliegen und Weltraumschrott einsammeln. Dass sich das Raumschiff selbstständig an Objekte rannavigieren und andocken kann, hat es ja bei der ISS schon bewiesen. Vielleicht gibt es ja also eine große Zukunft für das ATV darüber hinaus, nur Zulieferer für die Raumstation zu sein.

 

Während die Raumfahrt-Community gerade ihren größten Triumph der letzten Jahrzehnte feiert, trifft eine traurige Nachricht mitten ins Mark: Neil Armstrong ist tot. Der erste Mensch, der den Mond betrat, wurde 82 Jahre alt

Die Mission “Apollo 11″, die er anführte, war zwar das Ergebnis eines Wettrennens im Kalten Krieg, doch wurde es etwas viel Größeres. Am 21. Juli 1969 verfolgte eine für damalige Verhältnisse unvorstellbare Zahl von rund 500 Millionen Zuschauern – ein Sechstel der Weltbevölkerung – live an den Fernsehgeräten in aller Welt, wie Armstrong die Leiter der Landefähre herabstieg und seinen Fuß in den Mondstaub setzte.

“That’s one small step for a man, one giant leap for mankind”, Armstrongs Worte beim Betreten des Mondes, sind Legende. Sie inspirieren Generationen dazu, den kleinlichen irdischen Zwist zwischen Nationen Schritt für Schritt zurückzudrängen. Bis es vielleicht eines Tages überall heißen wird: Wir brechen auf von einer Erde, als eine Menschheit. Per aspera ad astra!

 

Das ist doch mal eine ordentliche Technologie-Umwidmung: Die US-Geheimdienste haben der NASA zwei Spionage-Satelliten überlassen. Die Satelliten sind im Grunde fliegende Teleskope, die noch nicht ins All geschossen wurden, sondern noch irgendwo rumlagen. Die können nun also für Forschung statt für Überwachung eingesetzt werden.

Was aber doch zumindest für eine hochgezogene Augenbraue sorgt: Die beiden Teleskope haben die Größe und Leistungsfähigkeit des Hubble Space Telescope! Da plagt sich die Forschung über Jahre ab, solch ein Teleskop in den Orbit zu kriegen, mit dem inzwischen echt wichtige Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Und Geheimdienste haben solche Teile im Doppelpack in der Garage liegen. Mal abgesehen davon, dass da mit Sicherheit auch welche oben rumfliegen, die gucken können, ob der Zuckerwürfel im Tee vor uns schon fertig aufgelöst ist. Bäh!

(Hubble-Foto vom Carina-Nebel)

Für die NASA heißt das nun allerdings erstmal noch nicht, dass Hubble einfach angelöst werden kann. Die Satelliten haben einerseits etwas andere Spezifikationen, die erstmal angepasst werden müssen. Außerdem sind da noch keine Aufnahme-Instrumente drin. Und entsprechende Missionen mit dem ganzen Background zur Auswertung der gewonnenen Daten müssen auch erstmal geplant und organisiert werden. Aber gut. Immerhin ein Anfang.

(Quelle: Washington Post)

 

Das große Ereignis dieses Jahres hat begonnen: Der Venus-Transit. Unser Nachbarplanet Venus schiebt sich zwischen uns und der Sonne durch. Hier ist der Anfang zu sehen, wie der Planet oben links in die Sonnenscheibe eintritt.

Von Deutschland aus ist das heute morgen sehr früh direkt nach Sonnenaufgang noch mit bloßem Auge zu beobachten, wenn die Wolken nicht im Weg sind. Ihr solltet aber eine von diesen Brillen dabei haben, mit denen man vor einigen Jahren die Sonnenfinsternis beobachten konnte. Dann sieht man die Venus, die sonst immer als erster “Stern” am Himmel auftaucht, als dunklen Punkt über die Sonne wandern. Um dieses Schauspiel noch einmal zu sehen, muss man sehr alt werden. Erst 2117 ist es wieder soweit.

(Bild: Michel Breitfellner and Miguel Perez Ayucar/ESAC)

 

Hätten wir doch bloß nicht nachgeschaut! Aber wir haben es getan – mit dem Hubble Space Telescope. Und nach dem, was es da zu sehen gab, haben die Astronomen Roeland van der Marel und Sangmo Tony Sohn vom Space Telescope Science Institute in Baltimore nun errechnet, dass Andromeda mit unserer Milchstraße kollidieren wird. Da rast also eine komplette Galaxie auf uns zu. Kopf einziehen hilft da eher nicht.


(Andromeda, lightclad on Flickr)

Die gute Nachricht: Bis es soweit ist, dauert es noch so 4 Milliarden Jahre. Zur Zeit ist Andromeda noch so etwa 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Die zunehmende Annäherung war schon länger bekannt, allerdings war nie so wirklich klar, ob zu einer Fusion der beiden Galaxien kommen wird, oder sie sich beispielsweise nur im Vorbeiflug etwas streifen. Jetzt ist aber ziemlich klar: Es kommt zum Crash. Wegen der großen Entfernungen zwischen den Sternen in so einer Galaxie wird es wohl aber in den meisten Regionen so sein, dass man von der Sache nicht viel mitbekommen. Vielmehr mischt sich alles etwas neu und nach weiteren zwei Milliarden Jahren werden Milchstraße und Andromeda zu einer Sterneninsel verschmolzen sein.

Die Leistung der Astronomen ist dabei nicht zu verachten. Um die genauen Flugvektoren auszurechnen haben sie die Bewegungen von insgesamt rund 15.000 Sternen in Andromeda über einen längeren Zeitraum beobachtet. Dabei zeigte sich, dass es eine kleine Chance gibt, das noch vor Andromeda auch die Zwerggalaxie M33 auf die Milchstraße treffen wird. Wenn alles vorbei ist, wird unser Sonnensystem dann wohl mit einer 10-prozentigen Wahrscheinlichkeit in einer entlegenen Region der verschmolzenen Galaxie liegen. Aus den Beobachtungen wollen die Astronomen nun durch Berechnungen in die andere Richtung weitere Erkenntnisse über das Entstehen der Lokalen Gruppe gewinnen, also der Ansammlung von Galaxien in unmittelbarer Nachbarschaft von Milchstraße und Andromeda. (Quelle: ‘Nature‘)

 

Es hat endlich geklappt: Die Dragon von SpaceX ist auf dem Weg zur ISS. Nach dem Ende des Shuttle-Programms der US-Weltraumagentur NASA sieht es nun so aus, als ob der Weg in eine privatwirtschaftliche Raumfahrt funktioniert. Dragon wird das erste nichtstaatliche Raumfahrzeug, dass die ISS anfliegt. Der Launch hat funktioniert, jetzt kommen einige Test-Manöver und Freitag soll das erste Mal gekoppelt werden, wenn alles funktioniert.

Die ganze Geschichte hat mehrere Seiten. Eine ist natürlich die, dass die öffentlich finanzierte und genutzte Raumfahrt gerade etwas in die Hände einiger verspielter Milliardäre abgleitet. Aber das passierte mit anderen Innovationen früher auch. Die ersten Autos nutzten auch Leute als Fortbewegungsmittel, für die Kutschen mittlerweile zum Pöbel-Verkehrsmittel wurden. Vielleicht stoßen wir ja hier gerade die Tür zu einer Raumfahrt auf, die nicht mehr nur an Staaten hängt, sondern perspektivisch von jedem genutzt werden kann. Eine privatwirtschaftlich finanzierte Raumfahrt ist im Endeffekt unter den heutigen Vorzeichen der beste Weg, um uns allen letztlich ein unabhängiges Internet über unsere eigenen Satelliten aufzubauen.

 

Eines der Lieblings-Hobbys von Kosmonauten und Astronauten scheint das Fotografieren zu sein. Und wer kann es ihnen verdenken – immerhin bieten sich ihnen recht einzigartige Motive. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos bietet mal einen Einblick in die Fotosammlung der letzten ISS-Besatzung. Es gibt unter anderem Bilder von nächtlichen Städten wie beispielsweise München:

Aber auch die ISS selbst und das Leben auf ihr sind dokumentiert. Darunter der kürzlich bereits gezeigte Anflug des europäischen Versorgers ATV und auch einige seltener gezeigte Perspektiven auf die Raumstation selbst, wie hier eine der angedockten Sojus-Kapseln:

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