Der letzte Tag war in meiner Wahrnehmung durch zwei Ereignisse geprägt, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Einerseits bewegte sich der seit Wochen andauernde Überwachungs-Skandal auf seinen nächsten Höhepunkt, während die ganze Geschichte von der Mehrheit weiterhin zu einem großen Teil schlicht ignoriert wird. Zum anderen spitzte sich die Situation in Mahrzahn-Hellersdorf zu und der Bezug eines neuen Flüchtlingsheimes sorgte für offene rassistische Ausbrüche unter einem Teil der im Umkreis wohnenden Bevölkerung. Beide Ereignisse betreffen mich mehr oder weniger direkt.

In der Überwachungs-Geschichte nicht nur dahingehend, dass die Geheimdienste der westlichen Staaten flächendeckend mein Kommunikationsverhalten überwachen. Es wird von ihren Datenzentren nachverfolgt und analysiert, mit wem ich telefoniere, welche Webseiten ich besuche, was ich in sozialen Netzwerken schreibe und wohin ich gehe (was anhand der Spuren, die mein Mobiltelefon hinterlässt ein Leichtes ist).

Doch nicht nur das. Inzwischen werden nicht nur jene unter Druck gesetzt und verfolgt, die in ihrer Arbeit als Geheimnisträger dafür sorgten, dass dies in der Öffentlichkeit bekannt wurde – wie aktuell der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden. Der Partner des Guardian-Journalisten, der die Dokumente als erstes bearbeitete, wurde in London auf dem Flughafen neun Stunden festgehalten und vernommen. Rechner und Mobiltelefon beschlagnahmt. Und dies unter Berufung auf die Anti-Terror-Gesetzgebung. Wer also über die ausufernden Aktivitäten der Geheimdienste berichtet, wird zumindest als Unterstützer von Terroristen eingestuft.

Doch damit nicht genug. Der Chefredakteur des Guardian berichtete nun, dass Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes auch in der Redaktion der Zeitung auftauchten und dafür sorgten, dass die Festplatten, auf denen entsprechende Dokumente gespeichert sind, zerstört wurden. Das ist ein direkter Angriff auf die Pressefreiheit und geschah nicht in einem Land, das zu den üblichen Verdächtigen zählt. Sondern hier, in der Europäischen Union.

Nicht, dass ich mich auf eine Stufe mit den jetzt Betroffenen stellen wollte. Aber auch in meiner Tätigkeit gehört die Berichterstattung zu diesem Komplex zu den Kernthemen. Ich muss mich also früher oder später wohl auch darauf einstellen, mit dem gleichen Problem konfrontiert zu werden – denn solche Entwicklungen neigen nicht dazu, an einer bestimmten Eskalationsstufe stehenzubleiben, sondern immer weiter auszuufern, wenn sie nicht frühzeitig eingedämmt werden.

Und hier sind wir bei den bisherigen Reaktionen. Was die gesellschaftliche Dimension angeht, blieben diese bisher nahezu komplett aus. Sicher, die Sache ist komplex und schwer zu fassen, aber die Fakten liegen auf dem Tisch: Die Überwachung geschieht flächendeckend. Jede Relativierung und Leugnung dessen seitens der Regierenden ist immer wieder wie ein Kartenhaus zusammengebrochen – im Tages-Takt.

Und an dieser Stelle möchte ich den vielleicht etwas gewagten Schwenk zum oben erwähnten Flüchtlingsheim machen, denn dieser macht mir in dem Zusammenhang wirklich Angst. Hier wurde sehr direkt deutlich, wie stark der Rassismus und andere Formen der Diskriminierung noch in der Mehrheitsgesellschaft verankert sind. Das war nach Lichtenhagen, Hoyerswerda und Mölln nicht vorbei und beschränkt sich nicht auf wenige durchgeknallte NSU-Nazis. Vielleicht ist es blöderweise ja sogar hilfreich, dass wir Menschen, die sich tiefer mit dem Problem befassen, nicht nur mit dem nicht ganz so einfach zu fassenden Rassismus der Herren Sarazin und Buschkowsky zu tun haben, sondern sich das Gespenst wieder einmal so offen zeigt.

Der Schoß ist fruchtbar noch, wie es so schön heißt. Und jene Menschen, die angesichts der Überwachung sagen, dass sie ja nichts zu verbergen hätten, sagen damit zumindest indirekt auch, dass sie den Kopf einziehen werden, wenn es nötig ist, Widerstand zu leisten. Wenn die Schreihälse von der anderen Straßenseite des Flüchtlingsheimes wieder direkter in Richtung Macht streben, als es ihnen heute noch möglich ist. Ein solcher Weg ist für den direkt in dieser Zeit Lebenden in der Regel schleichend. Aber spätestens dann wird die Datenmaschine ihre schlimmste Wirkung entfalten. Und was meine persönliche Betroffenheit angeht: Ich engagiere mich schon lange antifaschistisch und in verwandten Zusammenhängen und gehöre damit zum potenziellen Ziel.

Also wenn ihr nochmal auf die Idee kommt, das wäre alles nicht so dramatisch und es ginge ja eigentlich nur gegen Terroristen und einige besorgte Bürgersleut würden nur ihre Pein kundtun. Vergesst es. Es geht um nichts weniger, als die Welt, in der wir in den nächsten Jahren zu leben gedenken.

(Anmerkungen: Mir geht es nicht einfach um meinen Hintern, das ist nur ein Stilmittel, falls da jemand runknotteln will. Außerdem nur den einen Guardian-Post verlinkt, der Rest steht eh grad überall…)

 

Puh. Diese Woche und insbesondere dieser Tag waren echt heftig. Diese Sache mit dem Leistungsschutzrecht und der Bestandsdaten-Auskunft. Nach all der Euphorie mit ACTA und dem Höhenflug der Piraten bin ich als Netzkind von dieser Gesellschaft klassisch geerdet worden – geerdet in dem Sinne: Ein großer Klumpen Dreck direkt in die Fresse.

Ich bin aber weder ein Mimimi-Mensch, der sich resigniert in die Ecke setzen würde, noch jemand, der in einer solchen Situation voller Wut tonnenweise Erbrochenes in irgendwelche Kanäle kippt. Also habe ich mich zum Feierabend erstmal mit anderen Sachen beschäftigt. Umzugsvorbereitungen waren zu beenden und der Welpe zu bespaßen. Die Laune besserte sich aber nichtmal nach dem Essen (ich werde hungrig immer zerknautscht). Aber immerhin half das, um Raum zum Nachdenken zu bekommen.

Denn es war absehbar, was passieren kann. Und es ist passiert. Also habe wohl auch ich irgendwo einen Fehler gemacht, der dazu beigetragen hat. Aufregen und weitermachen wie bisher ist da keine gute Idee. Es müssen also Schlüsse gezogen werden. Einige Ideen hat Sascha Lobo ganz gut auf den Punkt gebracht. Andere berühren in diesem Fall mein berufliches Selbstverständnis. Continue reading »

 

“I Have a Dream!” So ein bisschen. Ich bin, meiner Ansicht nach, recht bodenständig und male mir schon lange nicht mehr aus, dass ich, wenn ich einmal groß bin, einmal Astronaut, Nobelpreisträger oder Weltherrscher werde. Aber ich stelle mir manchmal vor, dass ich irgendwann, so weit im Rentenalter, eine kleine Wohnung im Erdgeschoss in einem der Häuser meines Kiezes habe. Und da sitz ich dann Tagsüber, schaue gemütlich bei einem Bierchen heraus, rede mit diesem und jenem Bekannten. Und: Schimpfe und rante über alles Mögliche, vor allem aber die Vorüberziehenden.

Und dann merke ich regelmäßig, dass ich für einen solchen Job gar nicht qualifiziert bin. Denn ich verfüge offenbar nicht über ausreichend Empörungspotenzial. Hier ein Beispiel: Ich schaue jeden Sonntag Abend den Tatort im Ersten. Das ist eigentlich die einzige Feste Größe, was das Medium Fernsehen angeht. Und ich genieße es immer. Ich erwarte keine Revolution des Filmes, sondern eifach nette Unterhaltung am Sonntagabend. Das klappt mal gut, mal sehr gut. Aber es ist noch nicht passiert, dass ich total enttäuscht wurde.

Aber das werden wohl so einige, wenn ich – wie ja auch inzwischen üblich – nebenher Twitter verfolge. Da ist das dann unrealistisch (hey, es ist ein Film), unlogisch (es ist ein Film!) und schlicht schlecht (es ist kein Hollywood-Mega-Film!). Es ist mit schlicht unverständlich, wie ein solches Empörungspotenzial aufgebaut werden kann. Wenn ihr es nicht mögt, schaut es doch einfach nicht. Oder, was mir lieber wäre, denkt doch drüber nach, was ihr da schaut.

Genau so läuft es nämlich auch sonst. Es wird sich über tausenderlei Kleinkram empört. Vor allem über Dinge, bei denen ohnehin klar war, dass sie genau so passieren, wie sie laufen. Das ist vermutlich einfach: Wir regen uns darüber auf, dass eine konservative Regierung tut, was sie tut. Dass die fundamentalistischen Christen keine feministischen Positionen vertreten. Dass der “Tatort” kein “Stirb langsam” mit Logik drin ist.

Vermutlich ist das eine Sache, mit der man sich sehr wohl fühlen kann. Ich kenn das ja durchaus auch. Aber es bringt uns nicht weiter. Im Gegenteil: Es hält uns in manchen Fällen davon ab, die dringend benötige Entspannung zu bekommen (Tatort) oder den Fokus auf unsere eigentlichen Ideen zu legen (der Rest).

 

So manch einem Flüchtling wird hierzulande das Recht auf Asyl verwehrt. Das hat unterschiedlichste Gründe. So gibt es in Südosteuropa eine starke rassistische Diskriminierung von Roma, die dazu führt, dass diese dort kaum eine Chance haben, ein menschenwürdiges Leben zu gestalten. Sie können teilweise nicht mal sicherstellen, mit ausreichend Witterungsschutz über den Winter zu kommen, weil ihre Unterkünfte gern mal zerstört werden. Einige suchen daher hier Zuflucht und werden einfach als “Wirtschaftsflüchtlinge” abgestempelt. Andere sind Homosexuelle aus arabischen Staaten, die in ihrer Heimat von der Todesstrafe bedroht sind – einfach, weil sie nach Ansicht der dort Herrschenden die falsche Person lieben. Auch für sie ist es immer wieder schwer, als Flüchtling anerkannt zu werden.

Sie und viele andere sollen nach der Ablehnung ihres Asylantrages oder auch nach dem Auslaufen ihrer Duldung abgeschoben werden und werden in in Vorbereitung dieser Maßnahme in Abschiebeknäste gesteckt. So soll sichergestellt werden, dass sie sich dem Zugriff der Behörden nicht entziehen können. Allein schon dies kann und sollte in Frage gestellt werden. Um hier eine Änderung herbeizuführen, wird aber noch einiges an Zeit und Auseinandersetzungen nötig sein.

Um die Situation der Betroffenen kurzfristig zu verbessern, fordert die Berliner Piratenpartei eine Verbesserung des Zugangs der Betroffenen zu Kommunikationsmöglichkeiten. In der heutigen Zeit bedeutet dies, ihnen soll zumindest der Zugang zum Internet möglich sein. So könnten sie sich beispielsweise selbst ein Bild über ihre rechtlichen Möglichkeiten machen und wären dabei nicht wie kleine Kinder auf Betreuer angewiesen. Sie könnten aber auch Kontakte in ihre Heimat aufbauen, um schonmal zu organisieren, dass sie nach ihrer Abschiebung nicht vor dem Nichts oder Schlimmerem stehen. Der Zugang zu solchen Kommunikationsmöglichkeiten sollte eigentlich selbstverständlich sein – immerhin handelt es sich bei diesen Menschen ja nun nicht um verurteilte Straftäter oder so.

Die zuständigen Stellen verweigern dies aber konsequent – mit teils haarsträubenden Begründungen, wie eine aktuelle Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine Kleine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Abgeordneten Fabio Reinhardt zeigt. Demnach werde das Fehlen eines Internetzugangs für die Betroffenen hinreichend dadurch kompensiert, dass diese Unterstützung von kirchlichen Seelsorgern und anderen Helfern bekommen können und es eine “moderat gehaltenen Besuchsregelung” gibt. “Zudem ist jeder Verwahrraum mit einem Fernseh- gerät ausgestattet, welches als Informationsquelle nutzbar ist”, erklärte Andreas Statzkowski von der Senatsverwaltung. In welchem Spartensender beispielsweise Asylrechtsberatungen ausgestrahlt werden, führte er nicht aus.

Nach Ansicht der Senatsverwaltung wäre es sogar gefährlich, den Betroffenen Zugang zum Internet zu gewähren. Denn im Internet sind “Bauanleitungen für gefährliche Gegenstände oder Schulungen zum Öffnen oder Manipulieren von Sicherheitseinrichtungen” zu finden. Da haben wir sie wieder, die berühmten Bombenbau-Anleitungen im Internet. Einmal auf MacGyver.info gesurft – und schon baut sich der Abschiebehäftling aus dem kärglichen Inventar seiner Zelle offenbar allerlei Sprengmittel und Ausbruchswerkzeuge.

Doch damit nicht genug: “Darüber hinaus kann ein freier Zugang zu Inhalten mit (ethnischen) Beleidigungen, mit Verunglimpfungen von Religionen oder ein Zugriff auf pornografische, gewaltverherrlichende, rassistische oder menschenverachtende Inhalte den sozialen Frieden im Abschiebungsgewahrsam negativ beeinflussen”, meint Statzkowski. Menschen, die aus offensichtlicher Not zu uns kamen und nun wieder kurz davor stehen, in ihre schlechte Lage zurückverfrachtet zu werden, haben seiner Ansicht nach also nichts anderes zu tun, als sich in den dunklen Ecken des Netzes herumzutreiben und sich anschließend mächtig darüber aufzuregen. Ob diese Annahme stichhaltig ist, kann Statzkowski natürlich nicht sagen. Denn praktische Erfahrungen gibt es nicht – “da ein freier Internetzugang nicht gewährt wird”.

Es ist also den wilden Phantasien der Verantwortlichen in der Senatsverwaltung geschuldet, dass die Situation von Flüchtlingen nicht verbessern lässt. Alles in allem ein weiteres Beispiel des strukturellen Rassismus, der in unserer Gesellschaft verankert ist. Flüchtlinge sind hier eben keine mündigen Menschen in einer Notsituation, sondern letztlich Fremde, denen es nicht zugetraut werden kann, für sich selbst zu sorgen – und die uns vermutlich sogar noch Böses wollen.

 

Der Unilever-Konzern ist ein übler Spammer und hat sich mit seiner Marke “Axe” bei mir heute völlig ins Aus geschossen. Aber von Anfang an:

Gerade pflastert das Unternehmen zahlreiche Werbeflächen mit sexistischer Werbung. Männern, die heldenhaft ins Weltall fliegen, liegen Frauen willenlos zu Füßen. Oder werfen sich ihnen willenlos an den Hals. Je nachdem. Schon damit zeigt sich, dass die Marketing-Abteilung Unilevers irgendwo in den Sechzigern stecken geblieben ist. Zwar sind durchaus noch die Mehrheit der Astronauten und Kosmonauten männlich, es ist aber längst keine Ausnahme mehr, dass Frauen zu den Besatzungen gehören. Und da sind großartige Wissenschaftlerinnen dabei, die jede für sich bedeutend mehr für die Menschheit leisten, als alle Werber von Unilever zusammen.

Dass diese Werbekampagne auch noch mitten in die breiteste Sexismus-Debatte in Deutschland seit langer Zeit hineinplatzt…sei’s drum. Die läuft ja weltweit und ist daher wohl schon länger geplant. Kann man unter “dumm gelaufen” vermerken.

Die Plakate sind mir jedenfalls schon übel aufgestoßen (keine Ahnung, wie stark man damit im Fernsehen bombardiert wird, bekomm ich ja zum Glück nicht mit). Aber jetzt setzt Unilever offensichtlich auch Bots auf Twitter an, die dann bei der erstbesten Gelegenheit Spam durch die Gegend blasen. Auf einen Tweet von unserem zukünftigen Hund, kam heute folgende Antwort:

Über die Sprache des Tweets brauchen wir nicht sprechen, das kennt man ja von Spammern nicht anders. Ich bin schlicht angewidert. Spammer! Das ist ungefähr der gleiche Menschenschlag, wie jene, die Omis auf Kaffeefahrten die Rente aus der Tasche pressen. Oder Kindern Abos für Klingeltöne unterjubeln. Von solchen Freaks kauft man weder Schafwolldecken noch Duftmittelchen.

 

Mal (nur ein klein wenig) abseits von all dem hier etwas Persönliches: Der Beitrag zu Stanislaw Lem kam nicht nur, weil ich diesen sehr schätze, sondern auch, weil es auf meinen eigenen Geburtstag fiel. Und ich war wirklich gerührt davon, wie gut Leute einen Nerv treffen können. Vielen Dank daher an Julia dafür:

ABC Astronomie” gilt locker als Standardwerk für alle, die hier mal etwas tiefer einsteigen und auch mit nicht zu tiefgründigem (Anfangs-)Wissen verstehen wollen. Also los, klickts euch. Die Autoren versprechen Qualität.

 

An dieser Stelle will ich natürlich auch an ein nicht ganz unwichtiges Ereignis erinnern, das sich heute zum 60. Mal jährt. Am 23. November 1951 erschien mit “Astronauten” das erste Buch des in der Überschrift zitierten polnischen Autors Stanislaw Lem.

Lem schrieb Science Fiction. Zumindest sieht dies auf den ersten Blick so aus. Es ging nicht einfach um Geschichten mit wilden Spinnereien, sondern um Zukunftsvisionen, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen, die technische Entwicklungen bieten und haben. Und um Humanität: “Wir brauchen keine anderen Welten, wir brauchen Spiegel”, sagte er.

Seinen anfänglichen Optimismus verlor er zusehends, weshalb der sich als den “enttäuschten Weltverbesserer” bezeichnete. In den düsteren Zeiten des kalten Krieges und der Verhältnisse in seiner Heimat Polen kann man ihm das sicher nicht übel nehmen. Hoffen wir also, dass uns, die wir selbst und unsere Zeit durchaus von ihm geprägt sind, dies erspart bleibt. Lem starb am 27. März 2006.

Sehenswert dieses Live-Feature über Stanislaw Lem auf dem 27. Chaos Communication Congress:

 

Zum Ausgleich hinsichtlich der kleinen Beschimpfungen, hier mal eine schicke Sache: Spon schreibt mal was dazu, wie das Netz ganz praktische Solidarität ermöglicht. Statt “Waffen für El Salvador” gibt es jetzt “Kommunikation für Syrien”. Was sich ja heutzutage nicht mehr unbedingt mit klarem Ergebnis gegeneinander aufwiegen lässt… Internet: Revolutionshilfe aus Berlin.

 

Also wer mal das volle Programm mitbekommen will, sollte sich folgende Sendung anschauen. Prof. Martin Lambeck, Physiker und Wissenschaftsrat bei der GWUP, begab sich in die Höhle des Löwen: Er ist Gast in einer Talkshow von Astro-TV in der es über den Maya-Kalender und 2012 geht. Da sitzen einige Esoteriker, die alle Register ziehen: Das geht vom wirr labern bis hin zum altbekannten Rückgriff auf die Unschärfe aus der Quantenphysik. Lambeck sagt denen im Grunde ganz gelassen, dass sie völligen Blödsinn erzählen und steht einfach drüber. Er erntet dafür das üblich glückseelige Lächeln. Ein kleiner Lichtblick ist da noch dieser Maya-Historiker, der mal ein anderes Bild von dem verbrämten Blick auf die Mayas bietet, aber sich wohl nicht ganz klar ist, womit er es bei der Sendung eigentlich zu tun hat.

Am besten ist echt der völlige Eso-Spinner: Das Fußball-WM-Endspiel 2006, die Welt zu Gast bei Freunden, war in einer Zeitkorrelation mit 1945. Deswegen war Deutschland Weltmeister der Herzen und nicht im Endspiel. Der redet die ganze Zeit völlig zusammenhanglosen Durchfall und bekommt vom Moderator darauf das Lob, dass er das alles so detailliert darstellt. Großes Kino. Leider fällt Lambeck dann doch noch ziemlich ab. Aber gut. Letztlich gehts wieder darum: Wir können im Grunde aufhören mit der Wissenschaft, weil alle Epochen vor uns eh viel schlauer waren als wir.

 

Mal wieder ein klarer Fall von “Wissenschaftler beantworten eure Fragen, wenn ihr sie denn fragt”: Seit jahren rätselt die Presse über ein seltsames Phänomen vor sich hin. Immer wieder gibt es Meldungen, dass an der nordamerikanischen Küste Füße von Toten angespült werden. Die restlichen Körperteile bleiben verschwunden. Von einem Serienmörder bis hin zu üblen Mafia-Methden gingen die Spekulationen.

Endlich wurde nun mal jemand gefragt, der sich mit sowas auskennt. Für Gail Anderson eine Forensikerin aus Vancouver ist das alles wenig mysteriös. Eine Leiche im Wasser zersetzt sich halt, dient als Fischfutter und so weiter. Im Grunde landet alles auf dem Grund des Meeres. Normalerweise auch die Füße, die natürlich irgendwann vom Rest des Beines abfallen, wenn die Bänder weg sind.

Stecken die Füße allerdings in Turnschuhen, wie es bei allen Vorkommnissen der Fall war, bleiben sie nicht auf dem Grund. Die luftgepolsterte Sohle holt sie nach oben und irgendwann landet der Fuß am Strand, der Rest bleibt im Meer. Nicht nur in Nordamerika, sondern beispielsweise auch in Australien. Einige Tote wurden auch identifiziert: So gibt es beispielsweise schlicht Selbstmörder, die von Brücken sprangen und vom Fluss in den Ozean getrieben wurden.

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